Auf der Suche nach dem Wolf. Zwölf Wölfe leben aktuell am TÜPl Allentsteig. Im Oktober beginnt die „Jagd“ – auf wissenschaftliche Daten über die Tiere.

Von Markus Füxl. Erstellt am 24. September 2020 (05:17)
Sechs Jungwölfe gibt es seit heuer am TÜPl Allentsteig.
Veterinärmedizinische Universität Wien

Es war die Sensation 2015: Am Truppenübungsplatz wurden erstmals Wölfe in Österreich seit ihrer Ausrottung im Jahr 1882 nachgewiesen. Aber wieviele Wölfe leben aktuell am TÜPl? Wieviel fressen sie? Und wie gefährlich ist das Tier tatsächlich für den Menschen?

Fragen, auf die Oberstleutnant Andreas Berger, zuständig für das Naturraummanagement am TÜPl und die Wissenschaftlerin Jessica Cornils von der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Rahmen der Wolfstage eine Antwort gaben. Aktuell gehen die beiden von zwölf Wölfen aus, die am TÜPl leben. Dazu zählt das Gründerpärchen, das aus Sachsen-Anhalt ins Waldviertel kam, vier bis fünf weitere Tiere sowie der Nachwuchs aus dem heurigen Jahr: Sechs Jungtiere komplettieren das „TÜPl-Rudel“.

Seit 2019 läuft ein Forschungsprojekt zu der Frage, welchen Einfluss der Wolf auf das Rotwild hat. So fressen Hirsche in den Wintermonaten weniger, als sie theoretisch zur Verfügung hätten. Durch den Winter kommen sie, indem sie etwa die Herzrate um 15 Prozent drosseln. „Die Frage war: Zwingt der Wolf im Winter die Hirsche, sich mehr zu bewegen“, erklärt Jessica Cornils.

Wölfin zog mit Sender nach Tschechien

Dazu sind aktuell fünf Hirsche besendert. Sie wurden zuvor mittels Kastenfallen eingefangen. Ein Sender wird in den Pansen geschoben. Er schickt Daten über Puls und Körpertemperatur an ein Halsband, das mit einem GPS-Empfänger ausgestattet ist.

Schwieriger wird es beim Wolf. Er kann nur über Fußfallen mit Gummierungen und Metallschlingen eingefangen und in betäubten Zustand mit einem 500 Gramm schweren Halsband ausgestattet werden. Zuletzt waren zwei weibliche Tiere („B1“ und „B2“) besendert. Beide Tiere gibt es nicht mehr am TÜPl: Eine Wölfin ist am 22. Dezember 2019 zu einer 21-tägigen Reise ins tschechische Karlsbad aufgebrochen und lebt seitdem auf dem dortigen Truppenübungsplatz.

Der Sender der zweiten Wölfin stellte im September 2019 von einem Tag auf den anderen seinen Dienst ein. Was ist mit dem Tier passiert? „Wir gehen davon aus, dass der Sender vielleicht kaputt ist. Das kann passieren“, sagt Cornils.

Wölfe bleiben meiste Zeit auf dem TÜPl

Ab Oktober versucht die Wissenschaftlerin mit ihrem Team, neue Wölfe zu besendern: Dann sind nämlich auch die sechs Jungtiere entsprechend ausgewachsen, um mit einem Halsband ausgestattet werden zu können. Sollte ein Tier mit dem Gerät nicht klar kommen, können die Bänder auch mittels Knopfdruck aus der Ferne geöffnet werden, erklärt Cornils. Für sie bricht im Herbst die anstrengende Zeit an: „Zwischen Oktober und Juni liege ich dreimal pro Nacht wach“, sagt sie über die „Jagd“ mit dem Sender.

Von den beiden Weibchen „B1“ und „B2“ erhielt Cornils bereits spannende Daten. So zeigt sich am Bewegungsprofil, dass die Tiere die komplette Fläche des TÜPl ausnutzen. „Sie gehen sehr selten raus“, sagt Cornils. Eine Wölfin wanderte etwa nur kurz bis in den Raum Groß-Siegharts, bevor sie wieder zum TÜPl zurückkehrte.

Andreas Berger und Jessica Cornils zeigten der NÖN die Halsbänder, mit denen sie Hirsche und Wölfe ausstatten.
Markus Füxl

„Wölfe sind für den Menschen nicht gefährlich“, erklärt Cornils. Probleme könne es nur geben, wenn die Tiere über längere Zeit gefüttert werden und der Wolf das Futter mit dem Menschen verbindet. „Normal ist ein Wolf neugierig. Er schaut sich gerne etwas an und läuft dann wieder weg“, erklärt die Expertin.

Im Jahr fressen die TÜPl-Wölfe übrigens 45 Stück Rotwild, 120 Stück Schwarzwild sowie 350 Stück Rehwild, insgesamt etwa 15.500 Kilogramm Wild. Das ursprünglich aus Korsika stammende und in den 1960er Jahren am TÜPl ausgesetzte Muffelschaf war nach zwei Jahren mit den Wölfen praktisch ausgerottet: „Die Tiere sind ursprünglich steiles, steiniges Gelände gewohnt“, erklärt Oberstleutnant Andreas Berger. Für Meister Isegrim einfache Beute: „Sie waren bei uns am TÜPl wie ein Sackerl Chips für die Wölfe.“