Nachbarstreit endete vor Gericht

Mit Kamera heimlich gefilmt: Richter musste klären, ob ein 53-Jähriger 40 Ziegel seines Nachbarn eingeschlagen hat.

Erstellt am 14. Oktober 2021 | 13:31
Gemeinde Zwettl - Nachbarstreit endete vor Gericht
40 zerstörte Dachziegel und drei abgebrochene Bäume führten zwei Nachbarn vor das Zwettler Bezirksgericht.
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Foto: Markus Füxl

Der Pensionist A. und der 53-jährige S. werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr: In der Vergangenheit gerieten sich die beiden Nachbarn immer wieder in die Haare. Jetzt mussten sich die Streithähne vor Gericht erklären.

So soll S. zwischen Oktober 2020 und April 2021 immer wieder Feldsteine auf das Dach des Nachbarn geworfen und dabei 40 Ziegel eingeschlagen sowie drei Bäume abgebrochen haben. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 730 Euro – die A. aber nicht einklagen möchte: „Ich will kein Geld, sondern nur meine Ruhe. Nach 40 Jahren im öffentlichen Dienst sieht man über vieles hinweg, aber irgendwann geht es nicht mehr. Mir tut es menschlich leid“, sagt er als Zeuge leise vor Gericht.

Um S. auf die Schliche zu kommen, installierte der Pensionist eine Kamera. Als er tatsächlich eine Gestalt auf den Aufnahmen erkannte, musste er schlucken: „Beim Video bin ich mir dann vorgekommen, wie bei Aktenzeichen XY“, sagt er dem Bezirksrichter.

Den Vorwurf der Sachbeschädigung weist S. von sich und sagt: „Ich bin nicht schuldig, weiß auch nicht, wer das sein könnte.“ Dass die Familien jahrelang Streit haben, bestreitet S. nicht: „Ich will mit ihm nichts zu tun haben. Vor 35 Jahren hat seine Frau meine Mutter beschuldigt, ihre Schafe freigelassen zu haben.“

Der Richter zeigt der Ehefrau von S. das Video – sie antwortet sofort: „Das ist nicht mein Mann“ und beruft sich auf Statur und Kleidung, die nicht passen. Die ungenauen Merkmale auf dem Video reichen nicht zum Schuldspruch: Der Richter spricht den Angeklagten im Zweifel frei.