geschaffen

Erstellt am 28. Oktober 2013 | 21:27
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Foto: NOEN, Foto: Maria Moll
nimmt auch im Bezirk Zwettl zu.
Von Maria Moll

BEZIRK ZWETTL / „Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit vermindert sich auch die Angst vor dem Leben und die Freude an Kleinigkeiten steigt“, ist Daniela Tausch-Flammer, die deutsche Befürworterin von Sterbehospizen und Sterbebegleitung überzeugt.

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Stiftspfarrer P. Gregor Bichl plante zusammen mit Anton Krapfenbauer (r.) und Steinmetzmeister Christian Huber (l.) die Urnenwand an der Nordseite des Friedhofs, die im Mittelfeld noch durch ein schönes schmiedeeisernes Kreuz geziert werden soll. Totengräber Leopold Kolm erinnerte an die Haftbarkeit der Grabbesitzer, wenn Grabteile zu Unfällen führen.
Foto: NOEN, Foto: Maria Moll

Das bevorstehende christliche Fest Allerheiligen und das Totengedenken zu Allerseelen regen zu Gedanken über die eigene Vergänglichkeit an. Dabei sind die Gestaltung der Verabschiedung und die Form der Bestattung zwei wichtige Teilaspekte. Während in unseren Breiten die Erdbestattung am häufigsten ist – nur etwa 5 % der Verstorbenen des Jahres 2012 wurden eingeäschert – tendieren Städter immer mehr zur Feuerbestattung, wobei in Österreich Naturbestattung und Flussbestattung zu den neueren Formen zählen.

Bisher wurde die Asche der in St. Pölten kremierten Toten aus Stift oder Stadt Zwettl in der Aschenkapsel einer Urne in Erdgrab oder Gruft beigesetzt. Aufgrund steigender Nachfrage plante Stiftspfarrer P. Gregor Bichl zusammen mit dem zuständigen Pfarrgemeinderat Anton Krapfenbauer und dem jungen Steinmetzmeister Christian Huber aus Großweißenbach eine Urnenwand an der Nordseite des Friedhofs, die Ende Oktober aufgestellt wurde.

Granit bildet den Rahmen für Urnenfächer

Hellgrauer Hartberger Granit aus Schrems bildet den Rahmen für 18 Urnenfächer, deren quadratischer Grundriss von jeweils 43 Zentimetern genügend Stellfläche für vier Urnen bietet. Als Verschluss der Fächer sind dunkelgraue Platten aus Waldviertler Syenit vorgesehen – abschraubbar, Namen und Lebensdaten des Verstorbenen eingraviert, eventuell mit Foto.

„Nach den archäologischen Untersuchungen für die Friedhofserweiterung auf der Propstei stehen den Zwettlern für die Feuerbestattung kleine Urnengräber, Grabstellen oder auch eine Urnengemeinschaftsanlage zur Verfügung“, berichtet der zuständige Sachbearbeiter Johannes Kramreiter.

Der Erwerb eines Urnenplatzes ähnelt in dessen finanzieller Abwicklung dem Ankauf eines Erdgrabes. Auf den einmal zu entrichtenden Kaufpreis wird ein kleinerer Betrag aufgeschlagen, der im Abstand von zehn Jahren wieder zu leisten ist, um den Anspruch zu behalten – ganz entsprechend der allgemeinen Friedhofsordnung. „Dieser Anspruch kann auch übertragen werden“, sagt P. Gregor.

Gebührenpflichtiges Ansuchen bei Gemeinde erforderlich

Um einen Verstorbenen einäschern zu lassen, bedarf es eines gebührenpflichtigen Ansuchens bei der Gemeinde. Ein Bescheid des Bürgermeisters muss festhalten, dass es sich um eine Beisetzung, den ethischen Grundsätzen entsprechend, handelt. Dann kann die Urne aus Holz, Keramik, Halbedelstein oder Granit durchaus auch in häuslicher Umgebung aufgestellt werden. Dazu sagt die kompetente und umsichtige Bestattungsunternehmerin Regina Wittmann: „Es ist verständlich, dass man Angehörige, die auf tragische Weise plötzlich mitten aus dem Leben gerissen wurden, so noch einige Zeit bei sich haben will. Nach spätestens einem Jahr sollte man sich aber davon lösen.“

Mit einem Erinnerungsdiamanten, aus einem Teil des Aschengranulats produziert, kann man den Toten gleichsam immer bei sich tragen. In Mauerbach bei Wien gibt es den „Wald der Ewigkeit“. Einer von zwölf schönen, starken Bäumen wie Buche oder Eiche nimmt mit den Wurzeln die Asche des Verstorbenen als Nährstoff auf, der so zu einem Teil des Baumes wird. Bei der Flussbestattung schließlich wird die Asche in eine spezielle Seeurne umgefüllt und nahe Rossatz der Donau übergeben.