Holzbaupreis für Würzlmühle. Jury fand großen Gefallen an Restaurierung, die von Ganser-Dach im Auftrag von Wolfgang Kubesch erfolgte.

Von René Denk. Erstellt am 22. Mai 2019 (08:44)
René Denk
Holzbauer Norman Ganser und der Besitzer der Würzlmühle in Kirchberg/Wild, Wolfgang Kubesch, holten den Niederösterreichischen Holzbaupreis in der Kategorie „Um- und Zubau“ in die Gemeinde Göpfritz/Wild.

Ein Neo-Waldviertler als Bauherr, der mit viel Feingefühl weiß, was er will und die Firma Ganser Dach aus Merkenbrechts holten den NÖ-Holzbaupreis in der Kategorie „Um- und Zubau“ in die Gemeinde Göpfritz.

Wolfgang Kubesch hat schon zwei Bauernhöfe saniert. Er wollte von Wien wegziehen und sich einen Bubentraum erfüllen: „Ein Haus am Waldrand mit einem Bacherl“, sagt er im NÖN-Gespräch. Nachdem er länger nichts Passendes fand, dehnte er die Suche aus und wurde fündig: Die desolate Würzlmühle in Kirchberg/Wild aus dem 18. Jahrhundert war das, was der Unternehmer suchte.

„Im Weiterverwenden und Sichtbarmachen bestehender Strukturen — etwa der gesamten Holzkonstruktion des Dachstuhls und der Zwischendecke — wurde der Charakter der Mühle nicht nur bewahrt, sondern mit Fantasie und Feingefühl erst richtig zum Vorschein gebracht. Dass die umfassenden Maßnahmen den Eindruck erwecken, als wäre alles immer schon so gewesen, ist ein besonderes Merkmal eines Sanierungskonzeptes, das Bestehendes auf subtile Weise in Zeitgemäßes transformiert“, lobt die Jury das Siegerprojekt.

Die Würzlmühle wurde komplett ausgehöhlt und neu aufgebaut. Dabei wurde nahezu das gesamte Altholz wiederverwendet. Nach dem Abbau fand es in der neuen Küche, der neuen Stiege, den Türen, in Badezimmermöbeln oder in den Wänden Verwendung. Damit der stark Mühlen-Eindruck bleibt, wurde oft in Kombination mit Schwarzstahl gearbeitet.

Projekt kostete mehr als halbe Million

Rund 30 Firmen beschäftigte Kubesch mit dem Projekt, das zwischen 500.000 und 600.000 Euro koste. Über zwei Jahre begleitete er die Holzbaufirma Ganser Dach. „Die Jury war beeindruckt, weil das alte Holz noch immer Teile des Dachstuhls trägt. Das Holz wurde dazu verstärkt, teilweise sogar mit Eisen“, erörtert Chef Norman Ganser, der mit seinen Mitarbeitern rund 2.000 Arbeitsstunden aufwendete.

Kubesch „entwurmte“ mit biologischen Mitteln dazu sogar einen großen Holzpfosten, der jetzt wieder eingebaut wurde. Das Motto war: Alles abbauen, aufheben, restaurieren, aufpolieren und wieder einbauen. Selbst alte und verrostete Scharniere, die noch von einem Schmied hergestellt worden waren, wurden sandgestrahlt und wiederverwertet.

Den alten Dachstuhl baute man in der Decke frei sichtbar wieder auf. Darüber und unsichtbar befindet sich die neue und tragende Dachkonstruktion. Sogar das Dach musste absichtlich schief gemacht werden, so, wie es sich über die Jahre verändert hatte. „Das war nur eine der besonderen Herausforderungen. Wir haben oft mit viel Mut und Fleiß gearbeitet und vernünftige Lösungen ausgetüftelt. Aber stellenweise sind wir auch verzweifelt“, sagt Norman Ganser, der von oft stundenlangen Gesprächen vor Ort berichtet, an denen die Vorgangsweise abgeklärt wurde.

Aus der alten Laderampe wurde eine Terrasse geformt, die im „zweiten Leben der Mühle“, wie Kubesch meint, sie auch mit dem nötigen Lebensstil ausstattet. Auf ökologische Bauweise wurde beim gesamten Projekt geachtet. Ganser ist als Chef seines neun-Mitarbeiter Betriebes glücklich, denn diese Sanierung „hätte wirklich nicht jeder gekonnt“. Der NÖ Holzbaupreis ist mit 10.000 Euro dotiert.