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Erstellt am 04. Juli 2012 | 00:00
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derzeit wieder internationale Konzerttage statt.

VON MARIA MOLL

STIFT ZWETTL / Angesichts der sommerlichen Temperaturen erwies es sich am Wochenende als großer Vorteil, dass Abt Melchior Zaunagg die Bibliothek an die Nordseite des Stiftes Zwettl gelegt hat, wo man bei schöner Musik ein wenig aufatmen konnte. In diesem „kleinen Intimraum, der Atmosphäre für barocke Musik schafft“ und heuer in besonderer Beziehung zu Paul Troger steht, begrüßte Abt Wolfgang Wiedermann am Samstagabend zum ersten Konzert 2012 aus der Reihe „Musik in der Bibliothek“.

Leipziger Bach-Collegium  bot besonderen Musikgenuss

Wenn das Leipziger Bach-Collegium unter der Leitung des international geachteten Musikers Ludwig Güttler zum Konzert lädt, ist besonderer Musikgenuss garantiert. Zur Eröffnung wurden die Gäste mit Alessandro Pogliettis (1.Hälfte 17. Jh.-1683) Sonate C-Dur von allen Mitwirkenden musikalisch begrüßt. Der helle Klang der Trompete in Harmonie mit der Flöte sowie das lautmalerische Zusammenspiel von Violine und Kontrabass verbreiteten gleich gute Stimmung. Auch in Georg Philipp Telemanns (1681-1767) Suite h-moll boten Flöte und Violine vor dem Hintergrund des Basso continuo ein fröhliches, lebhaftes, oft tänzerisches Spiel.

Werke von Antonio Vivaldi (1678-1741) ins Programm zu nehmen, gehört für Dresdner Künstler, geleitet vom Musikforscher Ludwig Güttler, wohl schon zur geliebten Pflicht, besitzt die Elbestadt doch die größte Sammlung Vivaldischer Notenhandschriften außerhalb Italiens. In den drei Sätzen des Concerto g-moll traten Flöte und Oboe melodieführend hervor, aufmunternd, eindringlich und sehr frisch musizierend. Beschaulich schön, fast lyrisch das Largo, als die Streicher mit zartem Pizzicato das Spiel der beiden begleiteten.

Amüsante Lesung von Abt  Wolfgang Wiedermann

Abt Wolfgang Wiedermann bereicherte den Eröffnungsabend mit amüsanten Lesungen aus alten Bibliotheksbeständen, diesmal aus „Neu polirter Geschichts- Kunst- und Sitten-Spiegel für ausländische Völcker“, zu denen Erasmo Francisci „fürnemlich Sineser, Japaner, Indostaner, Javaner, ... und theils andere Nationen mehr“ zählte. Sein 1670 in Nürnberg verfasstes Werk in sechs Bänden wurde viel gelesen und noch von Johann Wolfgang von Goethe als Anregung für den „Faust“ verwendet.

Nach der Pause klare, reine C-Dur in der Sonate Nr. 3 von Gottfried Finger (um 1660-nach 1723), dargeboten von Ludwig Güttler, Trompete, und Roland Straumer, Violine, zusammen mit den drei Herren des Basso continuo. Das Publikum war hellauf begeistert. Auch die Sonate e-moll, vom Dresdner Hofflötisten Johann Joachim Quantz (1697-1773) für Flöte, Oboe und Basso continuo komponiert, wurde von den Zuhörern mit Freude aufgenommen. Mitreißend froh und ansprechend das abschließende Concerto Es-Dur von einem unbekannten Meister, vermutlich aber auch von Quantz, in dem ein kurzes Solo am Corno da caccia aufblitzte. Der dichte, anhaltende Applaus bewog die Musiker, dem begeisterten Publikum trotz der anstrengenden Hitze eine Zugabe zu schenken.

In der Hitze des Tages begrüßte der Abt am Sonntag im Bibliothekssaal des Stiftes zum Konzert, das schon um 15 Uhr begann. Besondere Dankesworte für die Unterstützung durch das Land Niederösterreich in der Finanzierung der Konzerte und im großen Projekt der Kirchenrenovierung richtete er an Landtagspräsidenten Hans Penz, der in einer kurzen Ansprache darauf reagierte. Dann gehörte der Bibliothekssaal den Musikern und ihren vielen interessierten Zuhörern.

Mit der Sonate in C op. 1 Nr. 12 von William Corbett (um 1700-1748) leiteten die Künstler das Konzert ein, gefühlvoll und von bezaubernder Schönheit. Sodann machte das Leipziger Bach-Collegium mit Darbietungen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und zwei seiner Söhne - Johann Christian und Carl Philipp Emanuel - seinem Namen alle Ehre.

Egbert Junghanns, Bassbariton aus dem Erzgebirge, früher Mitglied der Semperoper in Dresden, bevor er freischaffend zu arbeiten begann, hatte für sein Debüt bei den Internationalen Konzerttagen in Stift Zwettl fünf Arien aus Bachkantaten ausgewählt. Melodiös, mit instrumentaler Farbenpracht das Mitwirken von Violine, Flöte, Oboe und Basso Continuo (B. c.).

Als monumentale Eckpfeiler des Programms, sozusagen als Muntermacher für die in der Hitze müde gewordenen Ohren, bewiesen sich beglückend schöne Instrumentalstücke wie das Quintett D-Dur von Johann Christian Bach (1735-1782), gleichsam ein Ohrwurm. Ein Kunstgenuss spezieller Art war das Concerto Es-Dur für Corno da caccia, Oboe, Violine und dem für Barockmusik so wichtigen B. c. Sinnlich und sehnsuchtsvoll der Auftritt im Trio B-Dur für Flöte, Violine und B. c., einer Komposition von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788). Und glanzvoller Schlusspunkt, von allen Musikern gemeinsam gesetzt, war das Concerto C-Dur von Georg Philipp Telemann. Auf den großen Beifall des Publikums antworteten die Künstler mit einer Zugabe.

Musik in der Bibliothek  auch am Wochenende

Wenn auch Sie ein Konzert im Zisterzienserstift Zwettl besuchen möchten, bieten sich am nächsten Wochenende drei Gelegenheiten dazu. Das Solistenensemble Virtuosi Saxoniae, Leitung Ludwig Güttler, gibt zwei Konzerte im Bibliothekssaal: am Samstag, 7. Juli, 18 Uhr, in dem Mezzosopranistin Stephanie Atanasov das „Salve Regina“ von Giovanni Battista Pergolesi sowie Antonio Vivaldis „Stabat Mater“ singen wird, und am Sonntag, 8. Juli, 15 Uhr. Zur Matinee „Österreichs Junge Elite“ präsentiert das Attersee Trio, ein klassisches Klaviertrio, Musik der Wiener Klassik um 11 Uhr im Festsaal des Stiftes.