Erstellt am 11. Juli 2018, 04:32

von Brigitte Lassmann-Moser

Holzlager steht im Visier. Verschärft das gelagerte Schadholz in Großweißenbach die Borkenkäfer-Plage vor Ort? Das meint zumindest ein FPÖ-Abgeordneter. Die Betroffenen bestreiten das.

Der freiheitliche Landtagsabgeordnete Reinhard Teufel beim Lokalaugenschein beim Holzlager in Großweißenbach.  |  FPÖ

Das Schadholzlager der Bundesforste in Großweißenbach führe zu massiven Problemen bei den benachbarten Bauern, weil das dort gelagerte Käferholz den umliegenden Waldbestand gefährde. Dies kritisiert der freiheitliche Landtagsabgeordnete Reinhard Teufel. Die Betroffenen widersprechen.

Teufel spricht von einem „Riesenskandal“. „Der Borkenkäferflug in diesem Bereich ist massiv und das befallene Käferholz im Trockenlager führt mittlerweile zu enormen Schäden in den Nachbarbeständen der Bauern. Dieses Holz gehört in Nasslagern auf dem Gebiet der Bundesforste untergebracht“, so das Resümee des Lokalaugenscheins des FPÖ-Abgeordneten in Großweißenbach. Seit es das Schadholzlager für befallene Holzstämme in Großweißenbach gebe, sei das Problem für die Waldbesitzer in der Ortschaft dramatisch größer geworden.

„Lag die Käferholzmenge der Grundeigentümer im Vorjahr noch bei fast null Festmetern, ist sie heuer schon exorbitant explodiert“, so Teufel, für den Großweißenbach der falsche Standort für derartige Mengen an Käferholz ist.

Hipp bestätigt Käfer-Probleme

Dass es im Bereich rund um das Holzlager trotz Einhaltung des rechtlichen Rahmens große Probleme mit dem Borkenkäfer gibt, bestätigt auch Bauernkammerobmann Dietmar Hipp. „Es wurden zwar Fallen aufgestellt und ein Schutzgürtel rund um das Lager angelegt, aber das hilft den geschädigten Flächen nicht mehr“, meint Hipp. Auch großflächige Spritzungen des Schadholzes seien nicht möglich, weil sich im Umfeld Brunnen befinden und keiner ein Risiko eingehen könne. „Die Behörden haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, jeder hat sich bemüht und maximale Maßnahmen gesetzt“, so Hipp – aber es sei zu spät. „Es war einfach nicht zu erwarten, dass der Käfer so weit fliegt, vielleicht hat der ständige Ostwind dazu beigetragen“, vermutet Hipp.

Das gelagerte Schadholz gefährde die umliegenden Wälder, wird kritisiert.    |  FPÖ

Pia Buchner, Unternehmenssprecherin der Österreichischen Bundesforste, relativiert die Kritik des Abgeordneten Teufel: Auf der gegenständlichen Fläche bei der Firma Hengstberger werde zu zwei Dritteln Holz für Stora Enso gelagert und nur zu einem Drittel für die Bundesforste. „Der Lagerplatz besteht schon seit vielen Jahren und ist behördlich genehmigt. Die Fläche wird als Zwischenlager genutzt“, erklärt Buchner auf Anfrage der NÖN. Das Forstgesetz schreibt vor, dass der nächste Wald mindestens 350 Meter vom Lagerplatz entfernt sein muss. „In diesem Fall ist der nächste Lagerplatz sogar doppelt so weit entfernt – nämlich über 700 bis 800 Meter. Das ist im Regelfall mehr als ausreichend!“

Aufgrund der Borkenkäfer-Situation im Waldviertel haben die Bundesforste für den Betreiber zusätzliche Schutzmaßnahmen übernommen, die weit über das Forstgesetz hinausgehen und obwohl sie dazu nicht verpflichtet wären. So wurde rund um den Lagerplatz ein sogenannter Monitoring-Ring gezogen, mit dem das Lager abgeschirmt und die Borkenkäfer-Aktivität täglich beobachtet und kontrolliert wird. Weiters wurden direkt am Lagerplatz rund 20 weitere Käferfallen aufgestellt, um potenzielle Käfer direkt vor Ort einzufangen.

„Wir tun das alles nur als Vorsorge zum Schutz des Waldes“. Herbert Hengstberger

„Aufgrund der allgemeinen Borkenkäfer-Situation setzen die Bundesforste im ganzen Waldviertel verstärkt auf Käferprävention: Die Bestände werden laufend kontrolliert, mit Käferfallen wird der Borkenkäferflug genauestens beobachtet. Befallene Bäume werden umgehend aus dem Wald gebracht!“, meint Buchner. „Allein im Waldviertel wurden in allen unseren Revieren dutzende Käferfallen ausgebracht; in den letzten zwei bis drei Jahren wurde verstärkt in Käferprävention investiert.“

Auch Frächter Herbert Hengstberger und Norbert Hüttler von Stora Enso wehren sich gegen die Vorwürfe. „Es ist rechtlich alles komplett abgesichert“, so Hengstberger. „Wir tun das alles nur als Vorsorge zum Schutz des Waldes“. Nachdem die Industrie es derzeit nicht schafft, das Käferholz, das in rauen Mengen anfällt, zu verarbeiten, „schauen wir, dass wir so viel kontaminiertes Holz wie möglich aus dem Wald holen und auf bewilligten Lagerplätzen zwischenlagern“, erklärt Hüttler. Anderenfalls wäre die Situation noch viel schlimmer, außerdem habe dadurch auch der Kleinwaldbesitzer die Chance, sein Schadholz loszuwerden.

Herbert Hengstberger sieht die Kritik rein politisch motiviert. „Und das ist kontraproduktiv“, so Norbert Hüttler.