TÜPI-Kommandant: „Trockenheit nicht auf leichte Schulter genommen“

Erstellt am 30. März 2022 | 04:02
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Foto: bundesheer.at
Ein durch eine Artillerieübung ausgelöster Flurbrand führte zu einem Großeinsatz in Allentsteig. Zivilpersonen waren nicht gefährdet.

NÖN: Sie ernten viel Kritik, weil am TÜPl trotz behördlicher Brandgefahrwarnung am Wochenende eine Artillerieübung stattgefunden und zu einem Flurbrand geführt hat …

Herbert Gaugusch: Die behördliche Waldbrandverordnung bezieht sich auf das Verbot des Entzündens von Feuer und Rauchen im Wald und nicht auf die Durchführung von Scharfschießen. Wir nehmen die vorherrschende Witterungslage nicht auf die leichte Schulter und treffen umfassende Sicherheitsvorkehrungen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen treffen Sie am TÜPl, um Brände zu vermeiden?

Gaugusch: Wir nehmen die Waldbrandgefahr sehr ernst, indem wir ein mehrstufiges Beurteilungsverfahren zur Anwendung bringen. Vor jedem Schieß- und Übungsvorhaben werden die Faktoren Wetter, Geländeverhältnisse und beabsichtigter Munitionseinsatz im Detail beurteilt und entsprechende Präventionsmaßnahmen angeordnet. Der Brandgefahr wird durch passive und aktive Maßnahmen begegnet. Diese sind die Anlage von Brandschutzstreifen, Einschränkungen bei der Verwendung von brandauslösenden Munitionsarten, rasche Reaktionsmöglichkeit von splittergeschützten Tanklöschfahrzeugen und nicht zuletzt die laufende Schulung des Personals in der Waldbrandbekämpfung.

Warum hat das Bekämpfen des Feuers so lange gedauert?

Gaugusch: Unmittelbar nach Brandausbruch wurde versucht, mit splittergeschützten Spezialfahrzeugen den Brand zu löschen. Aufgrund der raschen Ausbreitung konnte das Feuer nicht in der ersten Abwehrlinie gestoppt werden, und es wurde unverzüglich die zivile Feuerwehr alarmiert. Da das betroffene Gebiet durch Blindgänger belastet ist, konnten die zivilen Kräfte nur in einer Sicherheitsdistanz zum Brandherd eingesetzt werden. Dadurch kam es zu einer flächigen Ausbreitung des Feuers. Schlussendlich konnte die Ausbreitung des Brandes an den Auffanglinien gestoppt werden.

Hätte man nicht mit Flugzeugen löschen können?

Gaugusch: Durch die Möglichkeit der Detonation von Blindgängern ist auch der Luftraum gefährdet und damit der Einsatz von Luftfahrzeugen nicht möglich.

Wieviel Fläche wurde durch das Feuer zerstört?

Gaugusch: Rund 700 Hektar sind vom Feuer betroffen. Dabei handelt es sich um Offenlandflächen und Kahl- und Totholzgebiete, entstanden durch die Borkenkäferkalamität.

Werden sie jetzt weitere Übungen abhalten?

Gaugusch: Für die Herstellung und Erhaltung der Einsatzbereitschaft des Österreichischen Bundesheeres sind Übungen unerlässlich. Dennoch werden wir entsprechende Maßnahmen setzten, um die Gefahr von Bränden in Zukunft zu vermeiden. Selbstverständlich werden die Erfahrungen aus dem aktuellen Brandereignis in die weiteren Beurteilungen einfließen.