Bezirkshauptmann Michael Widermann: „Mit einem Fuß in Zwettl bleiben“

Erstellt am 28. September 2022 | 04:13
Lesezeit: 5 Min
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Der damalige Bürgermeister Franz Pruckner, Michael Widermann, Landeshauptmann Erwin Pröll, Widermann-Vorgänger Werner Nikisch und der damalige Vizebürgermeister Friedrich Sillipp bei Widermanns Amtseinführung.
Foto: Archiv
Abschied nach fast 20 Jahren: Vor seinem Pensionsantritt spricht Bezirkshauptmann Michael Widermann über Zwettl, Höhepunkte und Herausforderungen während seiner Amtszeit.

NÖN: Sie sind so lange als Bezirkshauptmann geblieben. Ist das nicht selten?

Michael Widermann: Ich habe keinen Grund gesehen, mich um eine Versetzung zu bemühen, weil es mir in Zwettl von Anfang an gut gefallen hat. Als ich am 1. Jänner 2003 bestellt worden bin, war das ein echter Winter, sehr kalt und mit viel Schnee. Ich wurde sehr offen aufgenommen, es hat sich alles ungemein schnell entwickelt. Hier im Haus haben wir eine Top-Mannschaft, und es war eine echte Freude, hier zu arbeiten.

Auch mit den Gemeinden, den Blaulicht-Organisationen, dem Finanzamt, dem Gericht und mit den Verantwortlichen des TÜPl herrschte von Anfang an ein sehr gutes Einvernehmen. Vor allem zu den Bürgermeistern hatte sich rasch ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Es gab schon unter Leopold Cermak und Josef Fritz mit dem TÜPl eine Kontaktgemeinschaft, in der wir Probleme diskutiert haben, so wie jetzt mit Herbert Gaugusch, der jeden Winkel des TÜPl kennt.

Privat leben Sie in Fels am Wagram. Sagen Sie jetzt: „Ich gehe nach Hause“?

Widermann: Ich freu mich natürlich schon auf das Privatleben, wo einiges nachzuholen ist! Aber ich habe eine Wohnung hier in Zwettl und werde mit einem Fuß in Zwettl bleiben. Es ist eine andere Entwicklung, als wenn man nur fünf Jahre in einem Bezirk bleibt. Es haben sich in diesen 20 Jahren Freundschaften entwickelt, die ich aufrecht erhalten möchte. Auch will ich das Kulturleben hier genießen, etwa „Zusammenspiel“ in Stift Zwettl privat wieder besuchen.

Was sind die schönsten Erinnerungen an Ihre Amtszeit?

Widermann: Relativ knapp nach meinem Amtsantritt haben wir unser Bürgerbüro in der Bezirkshauptmannschaft neu gestaltet! Das war mit seinem neuen Schaltersystem für das „Frontoffice“ ein erstes, positives Highlight. Vor kurzem wurde das Sicherheitskonzept des Landes NÖ umgesetzt. Wir bekamen einen neuen Eingangsbereich mit Sicherheitszone. Weiters wurden die Parkplätze neu gestaltet und auf LED-Beleuchtung umgestellt, was sich in der jetzigen Energiekrise positiv auswirkt.

Höhepunkte waren klarerweise der Spatenstich und dann die Eröffnung der Umfahrung Zwettl mit dem damaligen Landeshauptmann Erwin Pröll. Diese Umfahrung ist ein echter Meilenstein in der Verkehrserschließung im Bezirk Zwettl.

Welche waren ihre fürchterlichsten Herausforderungen?

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Bezirkshauptmann Michael Widermann (64) geht Ende September in Pension.
Foto: privat

Widermann: Eine gewaltige Herausforderung waren die Naturereignisse im Bezirk mit den Sturmkatastrophen durch Kyrill 2006/07 und Emma und Paula in 2008. Dann die Eisregen-Katastrophe mit vielen Feuerwehreinsätzen, weil die Bäume auf die Häuser gebrochen sind, und auch der Hagel in Allentsteig. Im laufenden Betrieb wurde unsere Forstabteilung durch die Klimaveränderung in Beschlag genommen. Die Trockenheit der letzten Jahre und der daraus folgende Stress für die Pflanzen und der dadurch entstandene Schaden durch Borkenkäfer hat uns allen enorm viel Zeitaufwand und Kraft gekostet.

In den letzten zweieinhalb Jahren war es die Pandemie, die uns ganz an die Grenzen der Machbarkeit und der Belastung gebracht hat. Es ist nur der Disziplin der hauseigenen Mitarbeiter und der Epidemiemitarbeiter zu verdanken, dass wir das gestemmt haben. Die Arbeitstage haben teils bis 22 Uhr gedauert, und das auch am Samstag, Sonntag und Feiertag.

Wie sehen Sie die Entwicklung Zwettls in diesen 20 Jahren?

Widermann: Auffallend positiv! Hier gibt es so tolle Betriebe, wie die Brauerei und das Lagerhaus, Hannes Gutmann mit Sonnentor als familienfreundlicher Betrieb mit seinen vielen Halbtagarbeitsplätzen für Frauen, die Firma Kastner und nicht zuletzt Hartl Haus. Sie sind alle Leitbetriebe. Auch die Kleinbetriebe im Bezirk haben sich super entwickelt. Das sind natürlich nur Beispiele, eine halbwegs vollständige Aufzählung würde zu viel Platz benötigen!

Großartig ist, dass wir im Bezirk weitere Gesundheitseinrichtungen dazu bekommen haben. Zusätzlich zum Klinikum Zwettl und dem Herz-Kreislauf-Zentrum in Groß Gerungs waren die Eröffnung vom Lebensresort Ottenschlag und dem Kurhaus Bad Traunstein Highlights. Diese Betriebe sind ein Gewinn für die Region und darüber hinaus. Zusätzlich ist auch noch ein neues Neurologisches Rehabilitationszentrum in Allentsteig entstanden.

Sehr begeistert hat mich – das dürfte kein Geheimnis sein – die Entwicklung der Volleyballer vom kleinen Verein der Arbesbacher mit dem Durchmarsch zum Staatsmeister und zum Double. Ich habe jedes Spiel, das ich sehen konnte, genossen, und ich werde weiterhin dem Verein die Treue halten. Dieser Verein, der durchwegs aus Ehrenamtlichen besteht, wurde zu einem der größten Vereine Österreichs.

Auch auf dem Kultursektor haben sich enorm viele Aktivitäten entwickelt!

Haben Sie noch eine Vision?

Widermann: Eine Idee für die Zukunft Zwettls wäre eine Kunstloipe aus Noppenbelägen, die man ohne Energieaufwand anlegen könnte, um den Langlaufsport auch ohne Schnee zu ermöglichen. Diese Loipe könnte dann auch für Biathlon-Sommertrainings kombiniert angeboten werden. Das sind jetzt aber nur Ideen, die ein paar begeisterte Langläufer und/oder Biathleten weiterentwickeln und umsetzen müssten.

Haben Sie alles gesehen im Bezirk Zwettl in den 20 Jahren?

Widermann: Ein paar weiße Flecken gibt es noch, etwa den Saggraben. Ich weiß, wo er ist, aber ich selbst war dort noch nie. Vereinzelt wird es noch ein paar weiße Flecken geben, ich habe aber den Bezirk gut kennengelernt und von Ost nach West und von Nord nach Süd bereist.

Gehen Sie gerne in Pension?

Widermann: Ich geh gern in Pension, weil in meinem Freundeskreis alle in Pension sind und bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten keine Rücksicht mehr auf meine Arbeit genommen werden muss. Es ist natürlich nach 20 Jahren doch Wehmut dabei, weil mir so manches ans Herz gewachsen ist. Wir haben viel erreicht in dieser Zeit, was hoffentlich noch lange Bestand haben wird! Es ist nun an der Zeit, aufzuhören und das nachzuholen, was familiär zu kurz gekommen ist, auch ein wenig reisen. Ich werde aber immer neben der Wehmut mit Freude an diese arbeitsintensiven, aber wunderschönen 20 Jahre hier zurückdenken!