Erstellt am 08. Juli 2018, 03:00

von Gudrun Kalchhauser

Literarische Zeitreise im Klangraum Dobra. Michael Köhlmeier regte im Klangraum Dobra mit fantastischen Liebesgeschichten die Fantasie der Zuhörer an.

Die Künstler Baptiste Romain, Hanna Marti, Michael Köhlmeier, Grace Newcombe und Mare Lewon mit Bürgermeister Günther Kröpfl (3.v.r.) bei der Eröffnungsveranstaltung des „Klangraum Dobra“ auf der Burgruine.  |  Eduard Reininger

„Von wundersamen Begebenheiten“ aus dem Mittelalter wurde heuer im Klangraum Dobra berichtet. Das Festival fand bereits zum achten Mal statt. Einmal mehr gelang es auf unvergleichbare Weise, Literatur und Musik aus längst vergangener Zeit aufleben zu lassen. Renommierte Literaten, Schauspieler und Musikexperten ermöglichten dem Zuhörer eine Zeitreise ins Mittelalter.

Der Abend nach der Eröffnung durch Intendant Thomas Bieber, Bürgermeister Günther Kröpfl und Bezirkshauptmann Michael Widermann gehörte in traditioneller Weise dem Musikensemble Leones (Grace Newcombe und Hanna Marti, beide Gesang, Baptiste Romain, Vielle und Dudelsack, sowie Marc Lewon, Laute und Gesang) sowie Michael Köhlmeier.

Letzterer erzählte fantastische Liebesgeschichten, in denen Gott und Teufel nicht fehlten, von wundersamen Reisen in das Heilige Land, von gespenstischen Begegnungen mit Hexen und von Neid, Misstrauen und Treue. Wie wenig sich doch die Gefühle der Menschen im Mittelalter von den heutigen unterscheiden! Im Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ (Gebrüder Grimm) fanden sich die „üblichen Personen“ (böse Stiefmutter, verliebter Prinz, hinterhältige Hexe, …) wieder. Doch Köhlmeier hielt den Gästen den Spiegel vor: Mit den Hexen fehlt am Ende immer das Mitleid.

Widermanns einleitende Vermutung, dass in so manchem Besucher im Gedanken das Bildnis eines Burgfräuleins oder eines geharnischten Ritters erstehen könne, bestätigte sich. Köhlmeier stellte die Brücke zur Neuzeit her, welche es erlaubt, selbst Hexen in einem anderen Licht zu sehen, als dem des Feuers der Scheiterhaufen.