Kirchweihfest anders

Erstellt am 18. September 2013 | 00:00
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 126035
Foto: NOEN
75 Jahre Aussiedelung /  „Verein der Freunde der alten Heimat“ lud zu einer ganz besonders beeindruckenden Feier nach Döllersheim ein.

Vor 75 Jahren hatte die Zwangsräumung des Gebietes zwischen Döllersheim und Allentsteig, Zwettl und Göpfritz an der Wild begonnen. Die ersten acht Ortschaften waren innerhalb von sechs Wochen entsiedelt worden, die nächsten mehr als 30 wussten bereits um das Wegmüssen.

Dieser Tatsache gedachte der „Verein der Freunde der alten Heimat“ mit einer besonderen Feier am Sonntagnachmittag. Obmann Bernhard Lehr konnte dazu an die 300 interessierte Menschen begrüßen.

Julius Schlapschy als Vertreter des Truppenübungsplatzes Allentsteig verlas die an den Verein und die Besucher gerichtete Grußbotschaft des Bundespräsidenten Heinz Fischer, der es gutheißt, dass Verein und Mitarbeiter „anlässlich der 75. Wiederkehr der zwangsweisen Aussiedlung aus Döllersheim und anderen Orten des nördlichen Waldviertels an eine besonders schmerzliche Facette eines gnadenlosen Unrechtsstaates erinnern“.

Sechs Kirchenchöre bzw. Chorgemeinschaften boten mit je zwei bis drei Liedern zu Frieden und Gerechtigkeit eine sehr berührende und hoffnungsvolle Botschaft an die Anwesenden, die jede Darbietung mit viel Applaus lohnten. Höhepunkt bildete der Kanon „Dona nobis pacem!“, von allen anwesenden Besuchern gesungen, von Walter Irschik dirigiert. Hier erlebte die sonst stille Friedenskirche eine große Begeisterung. Heinz Spindler als Organisator des Chorsingens bedankte sich bei den mehr als 70 Chorsängern.

Kirche vor 27 Jahren wiederhergestellt

Der darauf folgende Programmpunkt betraf bauhistorische Aspekte der Kirche von Döllersheim. Oliver Fries präsentierte neu erstellte 3D-Pläne der Kirche und erklärte in einem Rundgang um und in der Kirche die Bedeutung fast jeden Steines der komplexen Baugeschichte dieser Kirche, die eine für Waldviertler Verhältnisse sehr reiche war, eine spätgotische Besonderheit.

Umso wichtiger war es, diese Kirche vor dem endgültigen Verfall zu retten. Im September vor 27 Jahren wurde die ruinöse Kirche als Gedenkstätte und Friedenskirche von vielen Vereinsmitgliedern wiederhergestellt und vom damaligen Bischof der Diözese St. Pölten Franz Zack eingeweiht. Heinrich Stangl und Pfarrer Johannes Müllner wurde besonders gedacht, sie sind im heurigen Jahr verstorben und waren um diese Kirche besonders bemüht.

Den gewaltigen Ausklang bildete ein alter Stummfilm zum Thema „Faust“, der von zwei Künstlern, Michael Koller und Thorsten Maus, auf digitalen Orgeln und elektronischem Klavier begleitet wurde. Sie improvisierten auf höchstem Niveau zu den Filmszenen – das uralte menschliche Thema, dass der Mensch sich zu leicht dem Bösen verschreibt, um scheinbar Größtes zu erreichen. Im Film von F. Murnau siegt letztlich das Gute, weil Liebe das Wichtigste bleibt.

Vor der Kirche, bei Getränken und Imbissen, war es möglich, im Gespräch das besondere Ambiente der Friedenskirche Döllersheim zu spüren.