Unmut über Teststreifen in Rappoltschlag. „Bekomme keine Teststreifen“, sagt Patient Erwin Zeilinger. Gesundheitskasse prüft den Fall.

Von Markus Füxl. Erstellt am 06. August 2020 (06:25)
Erwin Zeilinger übt Kritik an der Gesundheitskasse.
privat

Der 66-jährige Erwin Zeilinger ärgert sich: Er muss regelmäßig seinen INR-Wert zur Beurteilung der Blutgerinnung bestimmen. Jetzt gingen ihm aber die Teststreifen aus. Ein Antrag bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wurde abgelehnt. „Jetzt habe ich mir 24 Streifen selber um 106 Euro kaufen müssen“, sagt Zeilinger.

Aortariss knapp überlebt

Im Februar 2012 hatte Zeilinger einen Aortariss, den er nur mit Glück überlebte. Ihm wurde eine mechanische Herzklappe eingepflanzt, seitdem muss er gerinnungshemmende Mittel nehmen. Es folgten 13 Operationen. Seit 2012 ist Zeilinger auch Dialysepatient.

Für die wöchentliche Messung seines INR bekommt er pro Jahr genau 48 Messtreifen von der ÖGK. „Jetzt passiert es manchmal, dass der Streifen ‚Error‘ anzeigt, das heißt, ich muss einen zweiten Streifen benutzen“, erklärt Zeilinger. Auch weil er die letzten Jahre oft im Krankenhaus war, gingen sich die Streifen nicht immer aus. Von seinem Hausarzt holte sich Zeilinger die Verordnung für die Streifen mit dem Vermerk „Patient muss bei Abweichung des INR engmaschige Messungen durchführen“ und brachte ihn auf der ÖGK ein. „Es passierte vorerst einige Wochen überhaupt nichts. Nachdem ich dann per Email nachfragte, was den mit meinen Teststreifen sei, war wieder einmal einige Wochen Funkstille“, sagt Zeilinger.

Nächste Teststreifen erst ab September

Schließlich läutete sein Handy, allerdings ohne Kennung. „Normalerweise hebe ich bei solchen Anrufen gar nicht ab“, sagt Zeilinger. Eine Dame der ÖGK verwies den Rappoltschlager an seinen Hausarzt. „Ihr leuchtete nicht ein, dass es sein kann, dass bei der Dialyse manchmal mehr oder auch manchmal weniger Stoffe ausgewaschen werden und das Einfluss auf die Gerinnung haben kann“, sagt Zeilinger. Die nächsten Teststreifen bekomme er laut ÖGK im September 2020.

ÖGK um rasche Klärung bemüht

Auf NÖN-Nachfrage sagt ÖGK-Pressesprecher Walter Sohler zur Kritik über die „unterdrückte“ Rufnummer: „Dieses Problem hören wir leider öfter. Das hat einen technischen Hintergrund.“ So würden alle Anrufe der ÖGK ohne Kennung am Telefon aufscheinen.

Zum medizinischen Fall erklärt der Sprecher: „In den meisten Fällen werden die INR-Werte über den Hausarzt gemessen. Herrn Zeilinger wurde vor Jahren die Selbstmessung ermöglicht. Dafür erhält der Versicherte ein Gerät sowie einen Jahresbedarf an Teststreifen, der 48 Stück umfasst.“ In der Regel werde nicht im Wochenabstand gemessen, darum sei diese Stückzahl in den meisten Fällen ausreichend.

„Mit der Erledigung am 8. November des Vorjahres wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass die Bewilligung letztmalig in verkürztem Abstand statt im Jahresintervall erfolgen kann. Herrn Zeilinger wurde vorgeschlagen, im Bedarfsfall zusätzliche Messungen beim Hausarzt durchführen zu lassen, beziehungsweise den Hausarzt zu ersuchen, beim nächsten Mal eine medizinische Begründung für den erhöhten Teststreifenbedarf anzugeben“, sagt Sohler.

Die letzte Verordnung erreichte die ÖGK am 5. Juni und wurde am 15. Juni mit einer Ablehnung bearbeitet. „Eine genaue medizinische Begründung des Arztes, warum der Patient so oft seine INR-Werte messen muss, wurde nicht mitgeliefert“, sagt Sohler.

Versorgung zugesagt

Die ÖGK versuchte nach der NÖN-Nachfrage, mit dem Hausarzt Kontakt aufzunehmen. Dieser befand sich aber auf Urlaub. Eine Abklärung des Falls soll sobald wie möglich nachgeholt werden, sagt Sohler: „Wenn es eine medizinisch plausible und nachvollziehbare ärztliche Begründung gibt, warum Herr Zeilinger vermehrt Testungen durchführen muss, werden wir uns selbstverständlich der Bewilligung eines erhöhten Jahreskontingentes an Teststreifen nicht verschließen und in weiterer Folge nach dem medizinisch sinnvollen und erforderlichen Test-Intervall vorgehen. Sollte Herr Zeilinger derzeit einen akuten Bedarf an Teststreifen haben, so werden wir ihn natürlich versorgen, um die erforderlichen Messungen sicherzustellen.“