Literat, der Menschen mag

Erstellt am 24. Juli 2013 | 00:00
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Unterhaltsame Lesung
Foto: NOEN, Maria Moll
Unterhaltsame Lesung / Der bekannte österreichische Autor Daniel Glattauer gab aus seinen Kolumnen auf der Burgruine Dobra Einiges zum Besten. Ein gelungener Abend.
Von Maria Moll

DOBRA / Angenehm überrascht von der großen Zahl an Zuhörern begrüßte Bürgermeister Johann Müllner bei geradezu „kitschig schönem Sommerwetter“ am Freitagabend im Veranstaltungssaal der Ruine Dobra zur Lesung von Daniel Glattauer, dem Schriftsteller, der ein ganz persönliches Naheverhältnis zu Pölla hat. Wie der Bürgermeister erzählte, wurde Daniel Glattauer als Erster eingeladen, als 2010 die Kulturveranstaltungen in der Burgruine Dobra ihren Anfang nahmen. Außerdem war im Publikum zu erfahren, dass der überaus erfolgreiche Wiener einen Zweitwohnsitz in der Gemeinde Pölla sein Eigen nennt.

Der Autor studierte Pädagogik und Kunstgeschichte. Danach wandte er sich dem Journalismus zu. Schon vor seinem großen Erfolg mit Büchern wie „Gut gegen Nordwind“, „Alle sieben Wellen“ oder „Ewig Dein“ machten ihn seine Kolumnen für die Titelseite einer Tageszeitung bekannt. Diese Geschichten aus dem Alltag, aus denen der mittlerweile freischaffende Schriftsteller an dem Abend las, zeugen davon, dass der Literat die Menschen mag, sie unvoreingenommen beobachtet und ihnen genau zuhört, um dann die Eindrücke in authentischer Sprache wiederzugeben.

Autor, der den  Menschen wiedergibt

 

Glattauer schreibt über Pädagogisches: Von der Einladung in die Sprechstunde der Geographielehrerin, weil der Sohn während des Unterrichts SMS über sie als „ultramega Sexyhexi“ verfasst. Zur Entlastung der Mutter bietet sich schließlich der Vater freiwillig an, die unangenehme Aufgabe zu übernehmen. Über Getränkewünsche: Wenn sich vor 40 Jahren ein Kind eine Cola wünschte, wurde es mit vielen Warnungen vor dem Ungesunden daran vehement abgewiesen. Hat heute ein Kind Durst, ist eine der ersten Fragen: „Willst du eine Cola?“ Und längere Verhandlungen können durchaus in den Wunsch münden: „Ich will Wasser!“

Das Wasser, speziell Leitungswasser, für das in manchen Lokalen gezahlt werden muss, ist derzeit erneut Thema in den Gazetten. Während Mineralwasser um einen Euro pro Schluck zu haben ist, kann man die hohen Kosten für Leitungswasser dadurch sparen, dass man mit einem leeren Glas selbst zum Gartenschlauch geht, der nächst dem Schanigarten in der grünen Wiese liegt.

Glattauer unterhält mit Tiergeschichten wie den Informationen für Besitzer von Schildkröten, denen sich die brennende Frage stellt: „Wie outen sich Schildkröten, dass sie marod sind?“ Und er stellt den schönen Mann in den Mittelpunkt: „Laut Studie finden 92 Prozent der österreichischen Männer ihr Äußeres schön, gut aussehend, attraktiv.“ Ob die wohl daheim sitzen und Kontaktanzeigen formulieren? Aber es genügt, wenn ein Mann seiner Frau gefällt. Und es kommt schließlich auf die inneren Werte an - Cholesterin, Blutdruck, Leber, ...

Der Autor kann auch über hehre Reden von Politikern schmunzeln: „Güterwege sind Lebensadern.“ Er geht der Bedeutung typisch österreichischer Formulierungen wie „Schau ma mol, dann wea ma scho segn.“ nach und amüsiert sich über den Umgang des Österreichers mit Fremdsprachen.

Unterhaltsames auch in der Zugabe. Auf die Frage „Welches Buch würden Sie auf die Insel mitnehmen?“ antworteten namhafte Politiker der SPÖ unisono „Der Mann ohne Eigenschaften“. Strategen der ÖVP hingegen konnten sich nie so recht auf ein Buch einigen, obwohl sich „Der Schatz im Silbersee“ anbieten würde.