Männliche Domäne wurde durchbrochen

Erstellt am 21. Oktober 2013 | 21:20
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Foto: NOEN, Wohlmuth
Ausbildung abgeschlossen / Bernadette Balcarek ist die erste Frau Österreichs mit einem Lehrabschluss in Huf- und Klauenbeschlag.
Von Pamela Wohlmuth

GROSSREICHENBACH / „Es war recht locker und angenehm“, beschreibt die 18-jährige Bernadette Balcarek aus Schönfeld/Wild ihre Lehrabschlussprüfung im Bereich Huf- und Klauenbeschlag. Nun ist sie die erste Frau mit einem Lehrabschluss in dieser Sparte – in ganz Österreich.

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Lehrherr Werner Filler gratuliert Bernadette Balcarek zum Lehrabschluss und überreicht ihr ein Hufeisen, als Glücksbringer.
Foto: NOEN, Wohlmuth

Den Praxisteil musste Bernadette mit vier weiteren Prüflingen – natürlich Männern – in einem Reitsportzentrum bei Korneuburg ablegen. „Wir mussten uns die drei Pferde auslosen“, berichtet die junge Frau und ergänzt, „wir bekamen fertige Fabrikseisen und mussten mit diesen – von uns zurecht geschmiedeten – Eisen den Huf des Pferdes beschlagen, den wir zuvor ausgeschnitten hatten.“

Pferde große Leidenschaft

In der Berufsschule in Mistelbach gab es einen weiteren Prüfungsblock. Dort mussten die fünf Kandidaten aus einem Stück Eisen ein Hufeisen schmieden, Bohrer schleifen und schweißen. Bei der mündlichen Prüfung gab es dann ein Fachgespräch über verschiedene Hufeisen, die Stellung der Gliedmaßen des Pferdes und mehr.

Was bewegt ein Mädchen zu dieser Berufswahl? Der Umgang mit Pferden und die körperliche Arbeit haben ihr immer schon Freude bereitet. Dazu kam das Interesse am Beruf des Schmiedes. Auf die Frage, was sie jetzt weiter macht, lächelt Bernadette und erklärt: „Ich bleibe bei Werner Filler.“

Ausbildung kostet einige Tausend Euro

Es gibt erst 2014 die Möglichkeit, die Lehre mit dem Meister abzuschließen. Momentan laufen die Ausbildungen noch parallel – einerseits auf Kursbasis an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und in Stadl Paura mit Praxiszeit, andererseits als Lehre. Die Ausbildung auf Kursbasis schließt man als „staatlich geprüfter Hufschmied“ ab. „Es ist auch eine Kostenfrage“, erklärt Lehrherr Werner Filler, „die Ausbildung kostet einige Tausend Euro“.

Bernadette weiß anzupacken und auch voller Stolz und fast nebenbei zeigt sie ihr Abschlusszeugnis. „Es ist so viel passiert in den letzten drei Jahren. Ich habe ein Auto, den Führerschein. Außerdem drei Pferde, Schafe, Hühner und einen Hund“, erzählt sie.

500 bis 600 Pferde betreuen Werner Filler, Barbara Balcarek und Barbara Beigl, eine weitere Hufschmiedin, regelmäßig im Waldviertel, von Litschau bis Ziersdorf, fast bis Sandl und runter nach Pöggstall liegen die Pferdeställe, in denen sie arbeiten.