Radweg statt Bahnlinie?. Ehemalige Bahnstrecke wischen Martinsberg und Waldhausen soll zum Radweg umfunktioniert werden.

Von Markus Füxl. Erstellt am 17. Juli 2019 (05:01)
Markus Füxl
Wollen aus der aufgelassenen Bahnstrecke einen Radweg machen: Waldviertler Kernland-Obmann Robert Hafner, die Bürgermeister Franz Heiderer, Christa Jager und Friedrich Fürst, im Bild mit Enkelin Nala beim Viadukt in Ottenschlag.

 „Umweltskandal“, „Saustall“, „Schande“ – mit diesen Begriffen wandte sich ein NÖN-Leser vor kurzem mit einem Leserbrief an die Redaktion. Der Grund des Ärgers: Die Bahnschwellen, Schienenbleche und Gummiteile, die noch immer entlang der früher befahrenen Bahnstrecke zwischen Martinsberg und Waldhausen liegen. Immer wieder berichtete die NÖN über den Sondermüll. Jetzt dürfte sich das Blatt wenden.

Bahnverkehr 2010 eingestellt

Zur Sache: Ende 2010 wurde der gesamte Bahnverkehr auf dieser Linie eingestellt, zwei Jahre später verkaufte die ÖBB Infrastruktur AG die gesamte Anlage an ein deutsches Unternehmen, das sich mit dem Gleisrückbau beschäftigt, im Sommer 2014 wurden die Gleisanlagen abgetragen.

Vergangene Woche trafen sich die Bürgermeister der sieben Gemeinden, durch die die ehemalige Bahnlinie verläuft, mit dem Verantwortlichen der Gleisrückbau-Firma Meißner, Timo Meißner. „Er hat versprochen, endlich den Müll zu entsorgen“, sagt Bürgermeisterin Christa Jager.

Timo Meißner bestätigt im Gespräch mit der NÖN: „Wir wollen in etwa vier Wochen damit fertig sein.“ Auf frühere Kritik, dass der Müll seit Jahren illegal auf der Strecke gelagert werde, sagt er: „Das stimmt nicht, die Bahnstrecke ist in unserem Eigentum. Die Lagerung dort ist nicht illegal.“ Weil die Strecke von Deutschland weit entfernt sei, habe sich die Räumung bis jetzt aufgeschoben, sagt Meißner: „Jetzt wird alles ordnungsgemäß entsorgt.“

Das Unternehmen hat bereits begonnen, Schwellen auf Verladestationen zu sammeln. Von dort soll noch diese Woche eine Spedition kommen, die das Material einer Verbrennungsanlage zuführt.
Dass die Strecke gereinigt wird, liegt auch im Interesse der Bürgermeister. Sie planen, die Bahntrassen anteilig zurückzukaufen, um einen Radweg daraus zu machen.

„Das Ganze findet jetzt doch ein glückliches Ende. Vom Umweltskandal zum grünen Projekt.“Bürgermeisterin Christa Jager über den geplanten Radweg

Der größte Anteil der etwa 22 Kilometer langen Strecke verläuft durch die Gemeinden Martinsberg, Ottenschlag und Grafenschlag. Bei einem Treffen vor dem Viadukt in Ottenschlag mit der NÖN betonen die Bürgermeister der drei Gemeinden unisono: Erste Gespräche laufen bereits mit der Landesregierung. „Das Projekt kann nur mit Unterstützung seitens des Landes umgesetzt werden“, unterstreicht Bürgermeister Friedrich Fürst.

Sollte die angestrebte Radstrecke Realität werden, wäre es „ein Gewinn für die Region“, so die Bürgermeister: „Im Sommer soll die Strecke von Radfahrern und Inline-Skatern genutzt werden, im Winter könnten wir sie als Langlaufloipe nutzen“, sagt Bürgermeisterin Christa Jager. Angestrebt sei außerdem, die Verbindung bis zum Donauradweg zu erweitern.

Über die Kaufsummen der jeweiligen Streckenabschnitte möchten die Bürgermeister noch nichts verraten. „Bedingung für den Kauf ist, dass die Auflagen von der Gleisrückbau-Firma erfüllt werden“, sagt Hafner. Nachdem die vermüllte Strecke Wanderern jahrelang ein Dorn im Auge war, dürfte sich somit doch noch ein glückliches Ende ergeben, meint Christa Jager: „Man kann sagen: Vom Umweltskandal zum grünen Projekt.“

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