Nach Unfall rollte Welle der Hilfsbereitschaft an

Erstellt am 14. Dezember 2011 | 00:00
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GROSSARTIGE UNTERSTÜTZUNG / Weil sein Fahrzeug ausbrannte, verlor lettischer Lkw-Lenker alles, was er mit sich führte.

REGION GROSS GERUNGS / Nachdem tragischen Verkehrsunfall bei Groß Gerungs, bei dem ein junger Autolenker sein Leben verlor (die NÖN berichtete), rollte für den zweiten beteiligten Lenker, einen Lkw-Fahrer aus Lettland, der unverschuldet in den Unfall verwickelt wurde, eine Welle der Hilfsbereitschaft an.

Während der 19-Jährige, der mit seinem Pkw frontal gegen den entgegenkommenden Sattelzug geprallt war, noch an der Unfallstelle verstarb, konnte sich der Fahrer des Sattelzuges gerade noch rechtzeitig aus seinem Fahrzeug retten – ehe das Führerhaus vollständig ausbrannte. Alles, was der lettische Fahrer mit sich führte, wurde ein Raub der Flammen, alle Papiere, Reisepass, Geld, Bekleidung und Toilettsachen. Er blieb nur mit dem, was er am Körper trug, geschockt in der Kälte zurück.

Da setzte unverzüglich eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. „Es war bewundernswert, wie viele Menschen helfen wollten und geholfen haben“, erzählt Brigadier i. R. Franz Teszar der NÖN. „Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Lette russisch spricht, wurde meine aus Russland stammende Gattin Tatjana zu Hilfe geholt und sie übernahm für die nächsten Tage in gewohnt exzellenter Weise vielfältige Dolmetscherdienste.“

Petra Wurz von der Polizei agierte profimäßig und behandelte den Geschockten einfühlsam, die Gerungser Samariter kümmerten sich rührend um ihn, die Feuerwehr schleppte den Sattelzug auf den nahegelegenen Parkplatz der Transportfirma Weichselbaum, wo der Inhaber spontan seine Hilfe anbot . „Eduard Stern brachte einen dringend benötigten Anorak, und mein Neffe Wolfgang Teszar, selbst auch Fernfahrer, gab Konstantin feste Schuhe – er hatte nur dünne Hausschuhe an – und half ihm fachkundig bei der Bestandsaufnahme der Schäden am Fahrzeug“, so Teszar. „Besonders positiv ist auch das Entgegenkommen des Inhabers des Gasthofes Hirsch, Herbert Traxler, hervorzuheben, wo der lettische Fahrer untergebracht war. Er unterstützte Konstantin großzügig, wo er nur konnte.“ Nicht zuletzt fertigte Karin Baumgartner die für eine Neuausstellung des Reispasses erforderlichen Fotos rasch und kostenlos an.

„Als Konstantin mit einem Kollegen, der ihn mit einem Ersatz- Lkw abholte, Groß Gerungs verließ, war er von unseren Menschen und unserem Land begeistert und bat mich, allen uneigennützigen Helfern nochmals ein besonders herzliches Danke zu sagen. Auch für mich war es wunderbar zu sehen, wie gut unsere Leute sind, wenn Not herrscht – und ich glaube, darauf können und sollten wir stolz sein“, freut sich der ehemalige TÜPl-Kommandant.