Sonnentor-Gründer: „Wird uns in die Zukunft tragen“. Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann im NÖN-Interview über Ausbaupläne, Umsatzrekorde und was Corona mit Autofahren zu tun hat.

Von Markus Füxl. Erstellt am 04. März 2021 (05:39)
Sonnentor bekommt ein neues Logistikzentrum. Die Arbeiten sind gestartet, das Erdmaterial des Aushubs wird hinter dem Sattelberg als Humus-Deponie wieder eingebaut, freut sich Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann.
Sonnentor

NÖN: Wie hat das Coronajahr 2020 die Abläufe bei Sonnentor beeinträchtigt?
Johannes Gutmann:
Es hat uns am Anfang natürlich vor viele Fragezeichen gestellt. Ich wurde aber positiv überrascht, weil es uns gewaltig nach vorne gebracht hat, außer natürlich beim Tourismus und in der Gastronomie. Wir konnten diese Bereiche mehr als abpuffern. So hat unser Online-Shop aktuell noch immer ein Plus von 150 Prozent, das ist natürlich sehr erfreulich. Wir haben im Sommer auch alles im stationären Handel wieder aufgeholt. Das ist ein wichtiger Teil unserer Strategie, wir suchen weiter verlässliche Franchisepartner. Hier gibt es gute Nachrichten, denn wir werden in Wien in Kürze einen weiteren Standort verkünden. Unter dem Strich ist das Fazit für 2020 sehr positiv, wir müssen eigentlich aufpassen, dass es nicht zu schnell geht.

Das heißt, man konnte auch beim Umsatz 2020 wieder zulegen?
Gutmann:
Ja, wir werden sogar im zweistelligen Prozentbereich wachsen. So ist es uns in jeder Krise in den vergangenen 30 Jahren gegangen. Der Grund ist einfach: Weil wir ein verlässlicher, gut aufgebauter Markenbetrieb sind. Leute brauchen in dieser Zeit Marken, auf die sie sich verlassen können. Krisen decken das auf, was auch vorher schon nicht funktioniert hat. Wir sind stark in die Krise hineingegangen und konnten unsere Fans davon überzeugen, dass wir ein verlässlicher Partner sind.

Was waren bei der Verkündung des ersten Lockdowns im März 2020 Ihre ersten Gedanken?
Gutmann:
Jetzt können wir uns anhalten, aber auch: Bleiben wir bodenständig, vertrauen wir auf das, was wir auch in der Vergangenheit richtig gemacht haben. Es war nicht die erste Krise in Österreich, aber der erste Lockdown. Aufgrund der vielschichten Aufstellung unseres Geschäftsfeldes wusste ich: Was einbrechen wird, tragen unsere anderen Beine.

Welche Rolle spielt Corona aktuell im Unternehmen?
Gutmann:
Bis Herbst hatten wir überhaupt keine Coronafälle im Betrieb, trotz unserer Größe von über 300 Mitarbeitern. Seit der Herbstwelle hatten wir vereinzelte Fälle, die aber immer sofort erkannt wurden und in der Folge haben wir stets entsprechende Maßnahmen gesetzt. Wir waren von Anfang an gut mit unserem Krisenteam gerüstet. Wir haben die Kontaktmöglichkeiten verringert und die Abstände vergrößert. Aktuell bieten wir auch freiwillige Tests an.

War oder ist Kurzarbeit ein Thema?
Gutmann:
Am Anfang hatten wir unsere Mitarbeiter aus dem Außendienst in Kurzarbeit. Mit dem starken Umsatzplus haben wir sie wieder in den laufenden Betrieb geholt, sie erledigen jetzt auch Verpackungsarbeiten. Wir haben sogar über 30 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen, weil in der Verpackung noch viel von Hand gemacht wird. Aktuell gibt es keine Kurzarbeit, ganz im Gegenteil: Die Arbeit hat sich verstärkt.

Mit dem Coronavirus stehen auch die Aspekte Gesundheit, Wohlbefinden und Regionalität für viele verstärkt im Vordergrund – Themen, mit denen Sonnentor wirbt. Gab es dahingehend 2020 einen Boom bei den Kunden zu spüren?
Gutmann:
Natürlich. Wir haben in Sprögnitz auch eine kleine Direktvermarktungshütte, die war beim ersten Lockdown fast ausgeräumt (lacht). Das erhöhte Interesse haben sich die Bauern auch verdient. Die Leute schätzen wieder mehr, was vor der Haustüre ist. Wenn der internationale Tourismus und die Verkehrswege eingeschränkt sind, sehen viele, was wir alles aus der Hand gegeben haben. Wer sich abhängig macht, bekommt jetzt die Rechnung voll präsentiert. Bei Sonnentor arbeiten wir stark mit Zulieferern aus der Region zusammen. Das hat uns bestätigt und wird uns auch in die Zukunft tragen.

Sonnentor zeichnet sich auch durch viele Feste, Führungen und touristischen Angeboten, wie den Land-Lofts aus. Wie schmerzhaft war es für Sie, dass diese Bereiche 2020 fast komplett fielen?
Gutmann:
Dass der persönliche Kontakt nicht da ist, tut weh. Wir haben aber in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, unsere Social Media Kanäle auf- und auszubauen. Ich bin überglücklich, dass wir vor über zehn Jahren in Sprögnitz ein eigenes Breitbandnetz aufgebaut haben. Für mich war klar: Wenn wir wachsen, brauchen wir mehr Kommunikation. Das hat uns mehr als widerstandsfähig gemacht. Die Zukunft ist nicht nur der persönliche Kontakt – wenn du mit Fans und Partnern in Kontakt bleiben willst, gibt es viele Möglichkeiten.

Welche Projekte wurden 2020 trotz der schwierigen Phase mit Corona erfolgreich umgesetzt?
Gutmann:
Wir haben alles umgesetzt, was wir am Plan hatten. In Sprögnitz haben wir unsere Halleninvestition umgesetzt, der Bau hat im Dezember begonnen. Wir müssen schauen, dass wir früh fertig werden, weil das Wachstum da ist. Die Land-Lofts werden wir um eine dritte Übernachtungsmöglichkeit ausweiten, auch für die Zwettler Stadt-Lofts werden wir planmäßig heuer beginnen zu bauen.

Wann werden die Stadt-Lofts fertig sein?
Gutmann:
Wir wollen spätestens zum Beginn der Tourismussaison 2022 aufsperren. Wir freuen uns sehr darauf, das wird etwas Einzigartiges. Auch das Interesse der Stadt und der Kunden an den Land-Lofts ist da. Hier haben wir unsere Fangemeinschaft auch eingeladen, mit „Zukunftsscheinen“ dabei zu sein. Für 400 Euro bekommen sie über fünf Jahre Sonnentor Gutscheine im Wert von 500 Euro zurück. Das ist eine bessere Verzinsung als bei jeder Bank (lacht).

Was haben Sie für 2021 noch geplant, wie gehen Sie in dieses „Coronajahr Zwei“?
Gutmann:
: Wir haben ein Waldprojekt in Planung, das wir im Mai vorstellen werden. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber: Der Wald im Waldviertel beeinflusst nicht nur uns, sondern auch die Region. Wir haben vor kurzem zwei Hektar Wald in der Nähe unseres Kräuterwanderweges gekauft. Das Thema soll sein, dass wir unsere Wurzeln nicht nur herzeigen, sondern auch stolz darauf sind, was wir haben. Wir wollen unsere Fans auch weiterhin hinter den Vorhang schauen lassen. Durch die gewaltigen Umsatzsprünge gehen wir auch ein wenig in die Mechanisierung. Wir werden bei den Arbeitsplätzen in der Handarbeit stabil bleiben, allerdings müssen wir uns auch maschinell für die Zukunft gut aufstellen und uns logistisch vorbereiten. Das hat mit dem Hallenbau seit Dezember begonnen und ein Logistikzentrum soll folgen.

Was können Sie aus dem Jahr 2020 für die Zukunft mitnehmen?
Gutmann:
Ich versuche, es positiv zu sehen. Auch wenn ich mich noch so schimpfend und jammernd hinstelle und sage, was das nicht alles für ein Schmarrn ist, kann ich es ja nicht ändern. In der Vergangenheit bin ich immer wieder draufgekommen, dass man am meisten in Krisenzeiten lernt. Mittlerweile ist es ja eine Aneinanderreihung von Krisen. Wichtig ist, dass dazwischen auch die Normalität einzieht. Auch die muss neu geschrieben werden. Du musst dich einfach nach deinen Gegebenheiten richten. Ein Betrieb lernt dann, wenn laufend korrigiert wird. Das ist wie beim Autofahren: Du hast einen Weg eingeschlagen, kommst plötzlich zu einer Kurve. In die kannst du nicht mit der selben Geschwindigkeit reinfahren. Wir sind gut aufgestellt und wissen, was die nächste Kurve verträgt. Wir wissen halt nur nicht, wie lange sie ist.

Apropos Kurven: Wie beurteilen Sie den Schwenk des Landes, weg von einer Waldviertel-Autobahn, hin zu einem neuen „Mobilitätspaket“?
Gutmann:
Das war das schönste Weihnachtsgeschenk, das mir die Landesregierung machen hat können. Ich habe mich auch persönlich bei der Johanna bedankt. Eine Waldviertel-Autobahn hätte unser größtes Gut, die Natur, den Wald und so viele Hektar an fruchtbaren Ackerboden, unwiederbringlich für die Lebensmittelproduktion zerstört. Damit bin ich jeder Idee dankbar, die diese Gewaltgeschichte – für die wir ohnehin über 30 Jahre zu spät sind – revidiert. Jeder Vorschlag in eine andere Richtung ist besser als dieser Schmarrn.