Gerhard Trumler: Gorbatschow, Kreisky & Jagger „geschossen“

Der Fotograf Gerhard Trumler feiert seinen 84. Geburtstag. Der NÖN erzählt er von seiner Karriere, wie Bruno Kreisky privat war und wie er ein geheimes Foto von Herbert von Karajan bekam.

Erstellt am 05. Dezember 2021 | 06:41
Lesezeit: 4 Min

Michail Sergejewitsch Gorbatschow, Mick Jagger, Bruno Kreisky – der Fotograf Gerhard Trumler aus Fraberg bei Langschlag hatte sie alle vor der Linse. Am 5. Dezember feiert Trumler seinen 84. Geburtstag. Mit der NÖN hat er über sein Leben gesprochen.

Zum Fotografieren kommt Trumler über Umwege: Während eines Jusstudiums bekommt er einen Job bei den Bundesbahnen angeboten. Dort bringt er Akten in die Büros. „Es war so, wie Kafka in ‚Das Schloss‘ schreibt“, erinnert sich Trumler. Später absolviert er Ausbildungen zum Fahrdienstleiter sowie zum Fluglotsen. Erst im Alter von 28 Jahren steigt er in die Meisterklasse der grafischen Lehr- und Versuchsanstalt ein. Aufgrund seines Alters ist er scherzhaft als „Professor Trumler“ bekannt. Nach seinem Abschluss arbeitet er bei der damaligen Zentralsparkasse.

Manchmal rutschte Kreisky das Blond ins Karottenblond ab. Da haben wir gelacht, wenn der Alte wieder leicht ‚karottig‘ war. Gerhard Trumler Fotograf

Seine Fotos kennzeichnet er auf der Rückseite mit einem Stempel. Eines Tages landen mehrere Bilder auf dem Schreibtisch des damaligen Kandidaten zum SPÖ-Vorsitz, Bruno Kreisky. Der Politiker ist begeistert und bietet Trumler an, ihn auf seinen Wahlreisen als Fotograf zu begleiten. Es ist der Beginn einer Freundschaft: „Ich hab den Kreisky irrsinnig gern gehabt und verehrt. Er hat ‚Burli‘ zu mir gesagt, das hab ich ihm verboten. Dann hat er ‚Burschi‘ gesagt. Wir haben uns gut verstanden“, lacht Trumler.

Als Fotograf erlebt er Kreisky hautnah: „Er war sehr gescheit, aber irrsinnig eitel. Wenn er sich seine Locken beim Frisör gemacht hat, rutschte das Blond manchmal ins Karottenblond ab. Da haben wir gelacht, wenn der Alte wieder leicht karottig war“, sagt Trumler mit einem Augenzwinkern.

Eine Zwiebel und Bruno Kreiskys Schuheinlagen

Neben der Arbeit bleibt auch Zeit für kleine Streiche: „Ich hab Sachen geliefert, wo jeder andere rausgeflogen wäre“, erzählt Trumler. Einmal tauscht er die Schuheinlagen Kreiskys mit denen seines Chauffeurs aus. Eine Retourkutsche bringt Kreisky bei einem signierten Foto der beiden unter. Er schreibt: „Mein guter Trumler, nicht schön, aber charakteristisch.“ Die Antwort des Fotografen? „Ich hab ihn gefragt, wen er meint. Da war er wieder beleidigt.“

Während seiner Karriere begleitet Trumler auch die späteren Bundespräsidenten Franz Jonas und Rudolf Kirchschläger auf ihren Reisen. Gute Fotos sind im hektischen Treiben nicht immer leicht zu schießen: „Ich hab den Jonas immer angetupft, damit er sich zu mir dreht. Ein Wahlkampfmanager hat dann gesagt, dass ich das nicht machen kann. Dann hab ich den Jonas einen Tag lang nur von hinten fotografiert.“ Damit ist der Manager logischerweise auch nicht zufrieden. „Ich durfte Jonas dann wieder anstupsen – aber halt unauffällig“, erzählt Trumler.

Eine humorige Anekdote hat er auch zu Rudolf Kirchschläger parat: Für ein Foto prostet dieser Trumler mit einer Zwiebel statt mit einem Glas zu. Das Bild signiert Kirchschläger mit: „Freuen wir uns über alles, was gut und zu essen ist.“ Im privaten Archiv Trumlers findet sich auch ein Foto mit dem russischen Politiker Michail Gorbatschow: Trumler stellt sich kurzerhand hinter Gorbatschow, ein Kollege drückt ab. „Gorbatschows Frau muss sich gedacht haben, das ist ein Verrückter.“

Nicht nur Politiker, sondern auch Musiker lichtet Trumler ab. Für die Schallplattenfirma CBS fotografiert er etwa Manitas de Plata, Harry James und Herbert von Karajan – letzteren nur mit einem Trick: Während Karajan für die Festwochen in Wien dirigiert, verhängt dieser nämlich ein striktes Fotografierverbot. „Ich bin im Konzerthaus die Stiegen nach oben bis zu einer Eisentür, die über die Bühne führt. Ich hab mich vorsichtig nach vorne geschlichen, auf den Bauch gelegt und fotografiert.“ Eine Woche später hängen die Fotos in allen Wiener Musikgeschäften. „Ob Karajan getobt hat oder nicht, weiß ich nicht“, kommentiert Trumler.

Mick Jagger, den Sänger der Rolling Stones, fotografiert er von unterhalb der Bühne, indem er eine Klappe nach oben öffnet und abdrückt. „So muss man das machen: Man muss ein Hirn haben“, erklärt Trumler schmunzelnd.

Später wendet er sich fotografisch dem Waldviertel zu, zeigt Menschen und die Gebäude, in denen sie leben. „Mich interessieren Menschen und deren Charakter, leidenschaftslos und sensationslos“, sagt er. Daneben haben es ihm die Mühlen angetan, 500 von ihnen sind katalogisiert: „Mühlen sind die wichtigsten Maschinen, die der Menschheit zur Erhaltung ihres Lebens geholfen haben“, erklärt Trumler.

An seine Kindheit im Waldviertel der Nachkriegszeit kann sich der Fotograf noch gut erinnern: „Wir haben einmal mit zehn Nebeltöpfen Langschlag eingenebelt, dass man tagelang nix gesehen hat. Wir waren schon schlimm“, sagt er lachend.