"Richtung stimmt, nur Tempo nicht!"

Erstellt am 31. März 2015 | 10:41
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Foto: NOEN, Wodicka, Archiv
Zwettler Bevölkerung ist äußerst kaufkraftschwach, Wirtschaft fordert deshalb Maßnahmen - aber rasche.

Laut jüngsten Berechnungen des Marktforschungsinstitutes RegioData Research schaut es mit der Kaufkraft im Bezirk Zwettl sehr schlecht aus. Demnach gehören wir zu den fünf kaufkraftärmsten Bezirken Österreichs! Das ist für Wirtschaftskammerobmann Dieter Holzer Anlass genug, einmal mehr infrastrukturelle Verbesserungen zu fordern – und das möglichst rasch.

Die durchschnittliche Kaufkraft im Bezirk Zwettl liegt laut RegioData bei 16.787 Euro pro Kopf und Jahr – um über 4.000 Euro niedriger als der Niederösterreichschnitt. Damit bilden wir in Sachen Kaufkraft nicht nur das blaugelbe Schlusslicht, sondern rangieren auch bundesweit an drittletzter Stelle.

Für den Wirtschaftskammerobmann ist klar: „Da gehört etwas getan! Aber was?“ Für ihn steht die Beseitigung bestehender Infrastrukturmängel an vorderster Stelle. Dabei gehe es vor allem darum, Geld in den Ausbau der Straßen und den Breitbandausbau zu investieren. Den geplanten Straßenausbau im Waldviertel „halten wir für richtig und gut, aber leider zieht es sich wie ein Strudelteig“, meint Dieter Holzer und verweist etwa auf die Verzögerungen beim Bau der Umfahrung Zwettl.

„Leider zieht es sich wie ein Strudelteig!“
Wirtschaftskammerobmann Dieter Holzer zum Straßenausbau im Waldviertel

Auch die Internet-Problematik werde grundsätzlich richtig angegangen, aber auch hier vergehe viel zu viel Zeit. „Wir haben im Bezirk Zwettl noch immer Regionen ohne Festnetz, und auch bei der Erreichbarkeit im Mobilnetz gibt es ,weiße Flecken‘“, erzählt der Kammerobmann. Er weiß von Betrieben, die sich aufgrund der Unterversorgung mit schnellem Internet nicht in der Region angesiedelt haben.

Es seien für benachteiligte Regionen zwar spezielle Programme angekündigt worden, aber diese gibt es bei uns noch immer nicht. Land, Bund, EU – alle sind gefordert. Der bürokratische Weg, um an Förderungen zu gelangen, sei ein zu langer und werde immer mühevoller. „Teilweise sind Betriebe gar nicht mehr bereit, Förderungen in Anspruch zu nehmen, weil es so kompliziert ist“, meint Dieter Holzer. Der Aufwand rechtfertige zum Teil gar nicht mehr das Ergebnis. „Der Förderdschungel ist gigantisch. Geradlinigere Strukturen wären mir lieber“, so Holzer.

Um die Kaufkraft im Bezirk wieder anzuheben, müssten die bestehenden klein- und mittelständischen Betriebe erhalten und neue angesiedelt werden. Nur zusätzliche Arbeitsplätze, und hier vor allem höher qualifizierte, würden die Kaufkraft wieder heben. Holzer: „Es sind bereits einige Dinge im Laufen. Die Richtung stimmt, nur die Geschwindigkeit nicht!“ Sein Zauberwort: „Bitte – flott!“