Vier wollen in Groß Gerungser Gemeinderat. Wer sind die Groß Gerungser Spitzenkandidaten zur Gemeinderatswahl? Wofür stehen sie? Was sind ihre Visionen für die Stadt?

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 18. Januar 2020 (11:06)
Gewählt wird am 29. September
APA (dpa)

NÖN: Ihre Bilanz: Wie hat sich Groß Gerungs in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Und wo soll Groß Gerungs in 20 Jahren stehen?

Maximilian Igelsböckist Bürgermeister, seineÖVPstellt derzeit 18 der 25 Gemeinderäte.
NOEN

Maximilian Igelsböck: Groß Gerungs hat durch unsere aktive Wohn- und Siedlungspolitik eine gleichbleibende Bevölkerungsbilanz aufzuweisen und gehört mit fast 90.000 Nächtigungen pro Jahr zu den größten Tourismusgemeinden des Waldviertels. Die Betriebs- und Arbeitsplatzsituation hat sich auch in unserer Gemeinde derart gewandelt, dass nicht mehr Arbeitsplätze, sondern Mitarbeiter in vielen Bereichen gesucht werden!

Manfred Atteneder: Postamt wurde zugesperrt, es gibt nur mehr einen Postpartner. Volksbank wurde zugesperrt, nur mehr vorangemeldete Termine möglich. Positive Entwicklung: Altersgerechtes Wohnen wurde eröffnet, im Betriebsgebiet haben und werden sich neue Firmen ansiedeln. Und wo soll Groß Gerungs in 20 Jahren stehen? Als moderne Stadt mit aufgeschlossener Infrastruktur die in der digitalen Welt angekommen ist.

Ewald Faltin: Der Bau eines betreubaren Wohnens und die Etablierung eines sporadischen Bauernmarktes sind als positive Leistungen hervorzuheben. Diese Projekte wollten wir Freiheitlichen auch unbedingt umgesetzt sehen. Für die nächsten 20 Jahre wünsche ich mir eine Reduzierung des Schuldenstandes und die Umsetzung diverser Projekte welche einer weiteren Abwanderung entgegenwirken.

Markus Kienast: Groß Gerungs ist die letzten fünf Jahre primär „verwaltet“ worden. Für zukunftsweisende Projekte fehlt es an Kreativität und dem nötigen Feingefühl im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. Neue Impulse sind erforderlich - ein Gesamtkonzept, das Rücksicht auf unsere ländliche Struktur nimmt und ansässige Betriebe und den durch Borkenkäfer und Klimawandel unter Druck geratenen Bauernstand miteinbezieht.

Was sind die ersten Vorhaben, denen sich die Groß Gerungser Politik nach der Wahl widmen sollte?

Igelsböck: Konkret werden 16 Wohnungen gebaut und weitere Wohnbaumaßnahmen sind auf Schiene, die Baumaßnahmen mehrerer Firmen im Betriebsgebiet Dietmanns werden realisiert, die Schulwegsicherung ist uns ein Anliegen usw. Ganz persönlich ist es mir ein Anliegen, mich mit all meiner Kraft für die Realisierung eines Senioren- bzw. Pflegeheims in unserer Gemeinde einzusetzen. Wir werden die mobile Pflege von Hilfswerk und Caritas weiter unterstützen.

Manfred Atteneder ist mit derSPÖ(4Mandate) zweitstärkste Kraft in der Gemeinde.
NOEN

Atteneder: Leistbares Wohnen für Jungfamilien, Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen, wie Glasfaseranschluss über die NÖGIG für alle, Erhöhung der Verkehrssicherheit für unsere Schulkinder, bestmögliche Förderung des Vereinswesen und Ehrenamtes, Ausbau der touristischen Angebote, Koppelung der Betriebsförderungen an klimafreundliche Maßnahmen, Anreize für betriebliche Fahrgemeinschaften, Gemeindeförderung bei Installation von Photovoltaik.

Faltin: Nach der Wahl sollte sofort mit Projekten wie einem Ärztehaus, einer gratis Mülltonne für junge Eltern, der notwendigen Sanierung der Güterwege, der Schaffung günstiger Wohnungen für junge Menschen, der Aufschließung neuer Baugründe im ländlichen Raum und der Ansiedelung von Betrieben im Industriegebiet begonnen werden.

Kienast: Die Schaffung eines Ärztezentrums in Groß Gerungs ist längst überfällig. Die Gemeinde muss entweder selbst Start-Wohnungen mit 40-60 m² bei maximal 5 Euro/m² schaffen oder private Investoren bei solchen Vorhaben fördern. Wir werden die Bürger zukünftig vor jeder Gemeinderatssitzung über die abzustimmenden Themen schriftlich und per Video informieren. Ein Live-Stream von den Gemeinderatssitzungen gehört für uns natürlich dazu.

Welches Wahlergebnis würden Sie als Erfolg werten?

Igelsböck: Die ÖVP hat 18 Mandate, ich bitte unsere Bevölkerung um Unterstützung, damit wir mit einem guten Ergebnis die geplante Arbeit fortsetzen dürfen.

Atteneder: Unsere 4 Mandate im Gemeinderat halten, ein fünftes Mandat wäre natürlich höchst erfreulich.

Ewald Faltin führt dieFPÖin die Wahl. Seine Fraktion stellt aktuell drei Gemeinderäte im Ortsparlament.
NOEN

Faltin: Als wünschenswerten Wahlerfolg würde ich vier freiheitliche Gemeinderäte und einen freiheitlichen Stadtrat bezeichnen.

Kienast: Wir werten jedes errungene Gemeinderatsmandat als Erfolg. Es ist unser Ziel, die ÖVP-Absolute zu brechen und den Bürgermeister zu stellen.

Eine mögliche Umfahrung Groß Gerungs war in den vergangenen Jahren mehrmals Thema. Wie soll es damit weitergehen?

Igelsböck: Es ist derzeit keine Umfahrung angedacht und schon gar nicht geplant. Trotz der in den letzten Jahren laufend steigenden Verkehrsfrequenz durch unsere Gemeinde, ist ein derartiges Ansinnen nicht gerechtfertigt!

Atteneder: Wenn das Verkehrsaufkommen weiter steigt und der Durchzugsverkehr durch die Ortschaft unerträglich wird, werden wir von der SPÖ in Groß Gerungs für den Bau einer Umfahrung eintreten.

Faltin: Die Umfahrung wurde mit einer Mehrheit der Stimmen im Gemeinderat bei einer geheimen Abstimmung beschlossen. Wichtig ist mir, dass die Bevölkerung von Anfang an mit eingebunden wird.

Markus Kienast ist die Nummer eins derBürgerliste Germsund tritt als Quereinsteiger erstmals an.
NOEN

Kienast: Wegen der fehlenden Frequenz macht so eine „Umfahrung“ nur Sinn, wenn man vorhat, dass sie Teil der WV-Autobahn wird. Besser investiert wäre das Geld in ein Lkw-Mautsystem, das Landstraßen miteinbezieht.