„Schlag ins Gesicht“

Erstellt am 29. Oktober 2013 | 02:48
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ÖBB-Fahrplan / FPÖ-Waldhäusl fordert angesichts der neuen Pläne Kooperation im Waldviertel. Süß: „Müssen mit einer Stimme sprechen.“
Von Markus Lohninger

WALDVIERTEL / Verbesserungen in Fern-, Nah- und Regionalverkehr verkündeten die Österreichischen Bundesbahnen bei der Präsentation des ab 15. Dezember gültigen neuen Fahrplans, zugleich erklärte ÖBB-CEO Christian Kern eine Tariferhöhung für „nicht ausgeschlossen“. Höhere Preise dürften Bahnreisende des Waldviertels treffen, Verbesserungen nicht – die Franz-Josefs-Bahn scheint auf einer mehr als zweiseitigen Liste der Änderungen nicht auf.

"Waldviertel wird abgezockt"

Empört reagiert der FPÖ-Klubobmann im Landtag Gottfried Waldhäusl. „Die ÖBB bietet außer höheren Preisen nichts“, spricht er von einem „Schlag ins Gesicht der Waldviertler. Bessere Fahrpläne oder eine Aufwertung der FJB sind nicht auszumachen – das im öffentlichen Verkehr ausgehungerte Waldviertel wird abgezockt!“ Er kenne Leute, die frühmorgens für die ersten Pendlerzüge den Umweg von Göpfritz nach Schwarzenau machen, um Plätze zu ergattern. Waldhäusl: „Wir brauchen mehr Waggons und attraktivere Züge. Es muss endlich ein Ruck durchs Waldviertel gehen, und zwar parteiübergreifend!“

In dasselbe Horn stößt David Süß, Viertelsobmann der Jungen ÖVP. Er will in einem „Waldviertel-Gipfel“ Konzepte diskutieren, mit allen Abgeordneten und Bürgermeistern verbindliche Beschlüsse fassen: „Nur wenn wir mit einer Stimme sprechen, werden Verbesserungen möglich sein.“ Sein vorrangiges Ziel ist die Realisierung von Pendler- und Studentenzügen, Unterstützung erhält er von Verkehrslandesrat Karl Wilfing (VP). Dieser bestätigt Verhandlungen im Auftrag von Landeshauptmann Pröll mit der ÖBB bezüglich einer Beschleunigung der Züge Wien-Gmünd auf unter zwei Stunden, auch über den Einsatz klimatisierter Doppelstock-Waggons im 2-Stunden-Takt werde verhandelt.

Süß will einzelne 1:45-Stundenzüge für Pendler 

„Neue Verbindungen müssten aber zur Gänze vom Land NÖ bezahlt werden“, klagt Süß. Als Ausweg sieht er die drastische Reduzierung von Stopps bei je einem Morgen- und Abendzug wochentags, einem Freitagnachmittag-Zug nach Gmünd und einem Sonntagabend-Zug nach Wien. Seine Rechnung: Kostet ein Halt drei Minuten, werden einzelne Fahrten Gmünd-Wien auf einen Stopp in jedem Waldviertler Bezirk reduziert und halten ansonsten nirgendwo – dann bliebe die Fahrzeit ohne weitere Kosten bei 1:45 Stunden!

Parteiübergreifend arbeitet die „Initiative Pro-FJB“ für einen Ausbau und die klare Positionierung der FJB im internationalen Netz. Vertreter von SP, VP, Grünen und Team Stronach sind bereits dabei. „Es hat noch kein Bürgermeister gesagt, dass er nicht mitmachen will“, erklärt Gmünds SPÖ-Bürgermeister Andreas Beer, Initiator neben Karl Marek und Gerald Hohenbichler. Eine Diskussion in Gmünd mit ÖBB- und Firmen-Vertretern sowie Verkehrsexperte Hermann Knoflacher ist in Vorbereitung. Werbung für eine Internationalisierung der FJB im Zuge der Ernennung von Pilsen zur Europäischen Kulturhauptstadt ab 2015 macht indes Landtags-Abgeordneter Johann Hofbauer (VP). „Die ÖBB ist bei Fahrplänen leider wenig beweglich“, sagt er. Beim Präsidiumstreffen der Europaregion Donau-Moldau habe sich bestätigt, dass „in Tschechien und Österreich auf politischer Ebene weitgehend Einigkeit herrscht. Die Umsetzung muss aber durch die Bahnen erfolgen.“