„Ferien ohne Handicap“ seit fünf Jahren. Kinder und Jugendliche mit mehrfacher Behinderung werden in Feriencamps rund um die Uhr bestens betreut und die Eltern dadurch entlastet.

Von René Denk. Erstellt am 21. November 2019 (04:31)
Gute Stimmung herrschte beim Abschluss des Sommercamps 2019 in Raabs. Im Bild die Betreuer Jeannette Schindl, Karin Erdem, Tanja Geisberger, Denise Wiesmahr, Lisa Kerschner, Irene Moriz, Ines Haider, Kathrin Wolfinger und Theresa Stamminger sowie die betreuten Kinder und Jugendlichen René Schandl, Graziella Zawalski, Klaus Stifter, Raphael Hochenleuthner, Patrick Aumann, Vanessa Peckary, Sebastian Ruprecht und Nathanael Thiele.
Ferien ohne Handicap

Sein fünfjähriges Bestehen feiert der Verein „Ferien ohne Handicap“, der im Waldviertel und darüber hinaus Einzigartiges bietet: Kindern und Jugendlichen mit mehrfacher und schwerer Behinderung wird eine Urlaubs-Rundumbetreuung gegeben und so werden die Eltern einmal vom sonst sehr anstrengenden Pflegealltag entlastet, am 28. November um 19 Uhr in der Kaminstube Zlabinger.

Gegründet hat den Verein Birgit Stoifl gemeinsam mit Irene Rapp. Stoifl arbeitete zuvor neun Jahre lang in einem Waldviertler Förderzentrum. „Ich habe mir dann einmal eine Auszeit genommen und habe gemerkt, dass vor allem am Wochenende Bedarf an Betreuung besteht, weil die Eltern auch einmal eine kurze Auszeit brauchen“, erklärt Stoifl den Weg in ihre Selbstständigkeit, in der sie bis heute diese Betreuung anbietet.

„Von Anfang an haben wir für unsere Sommerferiencamps mehr Anfragen als Plätze.“Birgit Stoifl, Obfrau des Vereins „Ferien ohne Handicap“

In Gesprächen mit Eltern wie Irene Rapp kam dann heraus, dass diese ein Ferienangebot für ihre Kinder suchen. Speziell war es dabei auch wichtig, dass die Kinder einmal in einer Gruppe sind und Spaß mit anderen haben können. Die ersten Feriencamps, die für die schwer beeinträchtigen Kinder und Jugendlichen von 8 bis 29 Jahren angeboten werden, gestaltete man 2012 als Projektgruppe in einem anderen Verein. 2014 wurde dann der eigene Verein gegründet.

„Von Anfang an haben wir für unsere Sommerferiencamps mehr Anfragen als Plätze“, freut sich Obfrau Birgit Stoifl über den Erfolg. Wie wird ausgewählt? „Zuerst kommen die schwerer beeinträchtigen Kinder“, betont sie, dass meist nur Kinder in den Pflegestufen fünf bis sieben bei den Camps mit dabei sind.

Diese Feriencamps dürften zumindest im Osten Österreichs in dieser Form einzigartig sein: In den acht Tagen werden die Kinder rund um die Uhr betreut. Bei einer Gruppe von acht Kindern sind meist zehn bis elf Betreuer dabei, wobei jedes für die acht Tage seinen eigenen Betreuer hat. Bereits zuvor kommt dieser zu dem Kind nach Hause und lernt es kennen.

Großspender sind besonders wichtig

„Um wirkliche Entspannung zu gewährleisten, braucht es eine Person, die das Kind in dieser Woche würdevoll und mit voller Aufmerksamkeit betreut“, betont Irene Rapp.

Für die Eltern kostet die Acht-Tage-Woche 990 Euro, wobei sie aber je nach Einkommen vom Bund noch einen finanziellen Zuschuss bekommen. Derzeit kann der Verein auf rund 20 Betreuer zurückgreifen, die lediglich eine Aufwandsentschädigung bekommen. Die Sommercamps, die vor allem in Raabs stattfinden, kosten dem Verein aber trotzdem pro Kind 2.600 Euro. Darin enthalten sind Unterkunft, Verpflegung und ein ausführliches Programmangebot, wie beispielsweise ein Tag mit Lamas oder ein Musikworkshop.

„Unsere Camps sind nur möglich, weil wir Großspender, wie Licht ins Dunkel und viele weitere Unterstützer haben“, freut sich Obfrau Stoifl mit Rapp und Irene Moriz, die das Kernteam bilden, über den großen Erfolg der Camps. 20 weitere unterstützende Mitglieder zahlen einen Jahresmitgliedsbeitrag von 36 Euro ein.

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Während am Beginn nur ein Sommerferiencamp mit zehn Teilnehmern angeboten wurde, will man 2020 mit vier achttägigen Sommercamps durchstarten. Weiters sind ein fünftägiges Semestercamp, ein sechstägiges Ostercamp und ein viertägiges „Adventwochenende“ geplant, wodurch der Verein 2020 auf 47 Betreuungstage kommen wird. 2019 waren es noch 38.

Die Nachfrage nach diesen Angeboten und die Bekanntheit des Vereins wächst ständig. So gibt es sogar auch schon Interesse aus der Steiermark. „Um all diesen Kindern und Eltern helfen zu können, brauchen wir kompetente Betreuer und Gönner, die unsere Sache finanziell unterstützen“, betont Stoifl abschließend. Mehr Informationen unter www.ferienohnehandicap.at.