Franz Hahns Holzhütte wurde zu Schatzkammer. Franz Hahn sammelt für sein Leben gerne. Seine vielen „Schätze“ hat er in einer kleinen Holzhütte bei Selbitz ausgestellt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 18. Juni 2021 (04:43)
Franz Hahn zeigt das Gästebuch in seiner Holzhütte: Seit 2012 können Besucher ihre Grüße hinterlassen.
Markus Füxl

Auf Zaunlatten geschraubte Skis, unzählige Geweihe auf der Holzfassade und eine offene Tür: Fährt man an der Holzhütte von Franz Hahn vorbei, bremst man automatisch ab. Das kleine Häuschen in der Gemeinde Rappottenstein ist ein wahrer Hingucker. Betritt man die Hütte, ist man in einer anderen Welt: Dort sammelt der 75-jährige Hahn alte Gegenstände. Die NÖN hat den Sammler besucht.

„Betreten auf eigene Gefahr.“ Vor dem Eingang prangen mehrere Poster und Hinweisschilder. Auf einem von ihnen steht: „Betreten auf eigene Gefahr“. Wir betreten das „Untergeschoß“ mit Franz Hahn: Der Raum ist holzvertäfelt, überall hängen Bilder und Spruchschilder. In der Ecke ist eine kleine Küchengarnitur eingerichtet – mit vielen Gläsern, Bierkrügen und Besteck in den Laden, aber ohne funktionierende Anschlüsse.

Spitalsbett zu Couch umfunktioniert. Vor der Hütte stand auf dem Areal lediglich ein Keller: „Dort hat es reingeregnet. Ich hab mir gedacht, ich mach dort für die Wanderer etwas“, erklärt Hahn. So baute er die Holzhütte als Unterstand und verstaute dort seine Sammelstücke: Alte Bilder, Spielzeug, Gläser stehen ebenso in der Hütte wie ein zur Couch umfunktioniertes Spitalsbett im oberen Geschoß: „Das hat vor 15 Jahren das Zwettler Krankenhaus verkauft“, erklärt Hahn und lächelt.

Aus einem alten Keller zimmerte Hahn eine urige Holzhütte. Im Inneren hat er viele Sammelstücke verstaut, darunter Bücher, Bilder und Gläser.
Markus Füxl

Der 75-Jährige wohnt nur einen Kilometer entfernt. Früher hat er als Tankwart in Zwettl gearbeitet, jetzt verbringt er gerne Zeit in seiner bunt ausgestatteten Hütte. „Meiner Gattin hat das am Anfang nicht gefallen. Sie hat geglaubt, ich treffe mich dort mit Frauen“, sagt er schmunzelnd.

Besuch von Radfahrern und Kutschern. Immer wieder bleiben Wanderer stehen und werfen einen Blick in die Hütte, freut sich der Sammler. Manch einer habe hier sogar schon übernachtet, wie aus einem Eintrag des seit 2012 aufliegenden Gästebuchs hervorgeht: „Danke für die Übernachtung“. Hahn sagt dazu lachend: „Ich will gar nicht alles wissen, was hier geschieht.“

Regelmäßig bekommt er in der Hütte Besuch von den Puchfreunden aus Oberstrahlbach, Radfahrer aus Yspertal und Kutscher. „Die Pferde bleiben dann automatisch stehen und kennen sich aus.“

Auch als Labstelle für den Wandertag des Schidorfs wurde die Hütte schon benutzt. Vor kurzem stellte Hahn eine Sitzbank aus Holz gegenüber der Hütte auf. „Ich krieg schon langsam zu viel zam. Ich bin halt ein Depp und kann nichts wegschmeißen“, sagt Hahn lachend. Deshalb dürfen sich Besucher auch Kleinigkeiten mitnehmen, die ihnen gefallen. Einzig um die Bilder – darunter ein Portrait von vor 20 Jahren – wäre Hahn leid. Was die Zukunft für seine „Schatzkammer“ bringt? „Vielleicht wird die Hütte einmal eine Kapelle, so viele Heiligen-Bilder ich hier habe“, sagt der Sammler und lacht.