Zwettl: Mit "Nürnberger Kodex" gegen Impfpflicht demonstriert

Über 700 Menschen demonstrierten am 1. Dezember bei einem Spaziergang durch Zwettl gegen die Impfpflicht - dabei mit teils skurrilen Parolen.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 15:55
Lesezeit: 2 Min

Über 700 Personen lautete die erste Schätzung der Polizei - so viele Personen trafen sich am Zwettler Kampparkplatz, um am Mittwochnachmittag gegen eine Impfpflicht zu protestieren.

Organisator Manfred Steiner erklärte im NÖN-Gespräch: "Es gibt sicher 30 Gründe gegen eine Impfpflicht. Meine persönliche ist, dass die Impfstoffsicherheit nicht gegeben ist. Üblicherweise dauert eine Zulassung bis zu zwölf Jahre, bei den Corona-Impfstoffen war das ein Jahr. Das ist mir zu wenig."

Vergleiche mit Austrofaschismus & NS-Experimente

Steiner ist FPÖ-Gemeinderat in Groß Gerungs, betont aber, dass die Veranstaltung überparteilich organisiert war. "Freiheit" war eines der Schlagwörter auf vielen Schildern der Teilnehmer.

Neben kurzen Parolen gegen eine Impfpflicht ("Plandemie und Corona-Diktatur beenden") tauchten auch skurrilere Varianten auf, etwa historische Vergleiche des Austrofaschismus unter Schuschnigg und Dollfuß mit der heutigen Regierung ("Schleicht's euch Hochverräter") oder des Nationalsozialismus: "Wo ist die Menschenwürde? Nürnberger Kodex."

Zur Erklärung: Der Nürnberger Kodex ging aus dem Nürnberger Prozess hervor, an dessen Ende am 20. August 1947 mehrere Nazi-Ärzte wegen Experimenten und Euthanasiemorden an KZ-Gefangenen zu Todesstrafen und Haftstrafen verurteilt wurden. Aus dem Prozess ergaben sich zehn medizinethische Grundsätze - die Corona-Impfpflicht verstöße gegen sie, so das Argument einiger Impfgegner.

Warum der Vergleich hinkt? Der Nürnberger Kodex bezieht sich auf medizinische Versuche an Menschen, nicht auf getestete und zugelassene Impfstoffe.

Trotz Aufforderung der Polizei, Maske zu tragen und einen Zwei-Meter-Abstand zu halten trugen nicht alle Teilnehmer zumindest zu Beginn der Demonstration Maske.

Kurz nach 15 Uhr setzte sich die Demonstration in Richtung Betriebsgebiet in Bewegung. Rund sieben Kilometer weit führte die geplante Strecke dorthin und wieder zurück in die Innenstadt. Begleitet wurden die Teilnehmer dabei von rund 40 Polizisten, die im Einsatz waren.