Toter in Schweiggers: Rauchfangkehrer bedauern Unglück. Verdreckter Rauchfang führte zu Kohlenmonoxid-Austritt mit tödlichen Folgen: Verantwortliches Rauchfangkehrer-Duo verurteilt.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 17. September 2020 (18:45)
Symbolbild
Von 3drenderings, Shutterstock.com

Weil ein 64-jähriger zusammengebrochen war, alarmierten Angehörige im Jänner dieses Jahres die Rettung. Die eingetroffenen Rettungskräfte stellten dann im Gebäude mit Warngeräten, die sie standardmäßig mit im Gepäck mitführen, eine Kohlenmonoxid-Belastung fest. Daraufhin wurde das Haus sofort evakuiert, für den Hausbesitzer kam aber jede Hilfe zu spät. Sieben Personen, die sich ebenfalls im Haus befanden, wurden mit Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung ins Landesklinikum Zwettl gebracht.

Unklar war zunächst, wodurch der CO-Austritt in dem Gebäude verursacht worden war. Da das Haus nicht an das Gasnetz angeschlossen war, kam ein Gasleck nicht infrage. Letztlich ergaben die Ermittlungen, dass 2,1 Meter hohe dichte Ablagerungen in einem Rauchfang in der Nacht auf den 4. Jänner 2020 zu dem CO-Austritt aus der Heizungsanlage im Keller geführt haben. Von dort hatte sich das Kohlenmonoxid im Haus ausgebreitet.

Der zuständige Rauchfangkehrer, ein 35-Jähriger aus dem Bezirk Gmünd, und dessen Chef, ein 59-jähriger Rauchfangkehrermeister aus dem Bezirk Zwettl, wurden von der Kremser Staatsanwaltschaft wegen des Unglücks zur Verantwortung gezogen.Er habe den Keller nie betreten gab der Rauchfangkehrergeselle zu: „Des mach ich selber“, habe ihn der Hausbesitzer bei den jährlich vorgeschriebenen Kehrungen immer gesagt, erklärte der 35-jährige Geselle vor Gericht.

„Es ist erlaubt, aber Sie hätten kontrollieren müssen, ob der Hauseigentümer den Rauchfang tatsächlich gesäubert hat“, entgegnete die Staatsanwältin. Dies habe er nicht gemacht und darüber den Chef auch nicht informiert, gestand er ein.
Dass die vorgeschriebenen Kehrungen in den letzten fünf Jahren in dem Rauchfang Nummer drei im Heizkeller des Hauses nur am Papier durchgeführt worden sind, führte letztlich zu dem Unglück.

Der Geselle wurde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu fünf Monaten bedingt verurteilt. Der Rauchfangkehrermeister, der ein veraltetes Kontrollsystem im Betrieb einräumte, wurde zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Sein Gewerbe wurde ihm nicht entzogen. Die Privatbeteiligten wurden mit ihren Forderungen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.