12.000 Feuerwehr-Einsatzstunden auf den Dächern

Erstellt am 29. Juni 2021 | 12:40
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Katastrophengebiet Allentsteig: 400 Dächer wurden beim Hagelunwetter beschädigt. Seither sind die Einsatzkräfte im Dauereinsatz.

Über 12.000 Einsatzstunden leisteten die Feuerwehren, das Bundesheer und die Straßenmeisterei seit dem extremen Hagelunwetter am Abend des 24. Juni. Um die 400 Dächer wurden beschädigt, die Landwirtschaft kam mit einem „blauen Auge“ davon.

Arbeiten im Schichtbetrieb. „In den vergangenen Tagen war es hektisch mit sehr vielen Einsatzorten, aber es war wunderbar, zu arbeiten. Es war ein richtiger Schichtbetrieb“, meint der Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr Allentsteig Franz Loidolt. Dieser Großeinsatz wurde von dafür geschulten Mitgliedern der Katastrophen-Hilfszüge und einem Team der Feuerwehr Allentsteig koordiniert. „Da ist man innerhalb von zwei Stunden von 0 auf 100.“

Personelle Engpässe habe es nicht gegeben. „Der Zusammenhalt unter den Wehren ist großartig. Es fragen immer noch Kameraden an, ob sie helfen können“, ist Loidolt überwältigt – und das auch von den heimischen Betrieben und den „helfenden Händen aus der Bevölkerung“, die um die 800 Helfer verköstigt haben.

Szenerie wie im Krieg. Ein Durchatmen gab es am Abend des 27. Juni. „Da waren alle kaputten Dächer der Wohnhäuser mit Planen abgedeckt“, sagt Loidolt. Am 28. Juni legten deshalb die Allentsteiger Floriani Hand am Dach ihres Feuerwehrhauses an und gingen danach wieder in Einsatz. „Wir haben

35.000 Quadratmeter

Planen auf den Dächern verlegt. An so etwas kann ich mich nicht erinnern“, meint Loidolt. Das unterstreicht Militärkommandant Martin Jawurek, der am 26. Juni mit Ministerin Klaudia Tanner, Landesrat Ludwig Schleritzko, Bezirkshauptmann Michael Widermann und Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner die Einsatzkräfte in Allentsteig besucht hat: „Ich habe noch nie ein solch heftiges Schadensausmaß an Gebäuden gesehen. Die Szenerie erinnert an kriegerische Ereignisse.“

Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner zeigte sich stark betroffen. Überrascht waren die Soldaten aus Melk, als sich die Ministerin via Kran direkt zu ihnen auf das Dach heben ließ.

Finanziell abgesichert. Etwas Erleichterung in dieser Extremsituation ist seit Freitag bei Allentsteigs Bürgermeister Jürgen Koppensteiner zu bemerken: Allentsteig wurde zum Katastrophengebiet erklärt und somit übernimmt der Katastrophenfonds die Einsatzkosten. An diesem Tag gingen auch die Soldaten aus Allentsteig und Melk in Einsatz. „Das ist einfach wichtig, dass wir der Bevölkerung helfen“, betont Herbert Gaugusch, Kommandant des Tüpl Allentsteig. Erst danach werden die Schäden an den Gebäuden der Kaserne in Angriff genommen.

Schadenskommissionen gebildet. Seit Anfang dieser Woche besichtigen die Sachverständigen des Gebietsbauamtes mit der Gemeinde die betroffenen Häuser. „Für nicht versicherte Schäden erhalten die Betroffenen 20 Prozent der Schadenshöhe vom Katastrophenfonds erstattet“, weiß der Bürgermeister. Wer eine Sturmschadenversicherung hat, bekomme hier Leistungen. In der Landwirtschaft ist die Schadenskommission auch aktiv. „Es gibt regional Schäden, aber keinen Totalausfall“, betont Bauernkammerobmann Dietmar Hipp.

440_0008_8112826_zwe26allentsteig_tanner_von_brand
Ein Melker Pionier, Jürgen Koppensteiner, Ludwig Schleritzko, Herbert Gaugusch, Bundesministerin Klaudia Tanner, Martin Jawurek und Dietmar Fahrafellner besuchten die den Assistenzeinsatz leistenden Melker Pioniere in der Wiener Straße in Allentsteig.  
Foto: Joachim Brand

Schäden noch lange sichtbar . Die Nachwehen dieses Hagelunwetters seien sicherlich noch lange zu spüren. „Folgeeinsätze von den Feuerwehren wird es noch länger geben“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Ewald Edelmaier. Am Montag kamen wieder zehn Hilferufe. Dachdecker und Spengler sind derzeit besonders gefordert. „Die Auftragsbücher sind bestimmt übervoll“, meint Edelmaier, der von vier leichtverletzten Einsatzkräften berichten muss. Diese zogen sich Schnittwunden, Zerrungen und Kopfverletzungen zu.

Tragische Vorfälle. Aus der Bevölkerung kamen Meldungen von schrecklichen Erlebnissen, die erst einmal „verdaut“ werden müssen: So befanden sich mehrere Personen in einem Auto, als durch den Hagel die Autoscheiben zu Bruch gingen. Von den Vordersitzen rettete man sich auf die Rückbank. Ein Schwimmer im Seebad Allentsteig wurde von Hagelkörnern getroffen. Er war aber nicht der Einzige, der am Kopf verletzt wurde. Einen verletzten Jungstorch mussten die Floriani aus dem Horst retten und der Tierrettung Krems übergeben.

Einsatzstatistik spricht Bände. Die Schadenshöhe könne laut Bürgermeister Koppensteiner noch nicht beziffert werden. Die Statistik des Katastropheneinsatzes ist gewaltig (siehe Infobox). Dafür gibt es von allen Seiten ein großes Danke.