Waldviertel: Gemeinde wirft Wirtsfamilie raus. Gemeinderat in Pölla beschloss mehrheitlich die Kündigung des Pachtvertrages für die Wirtefamilie Weissmann in Franzen. Der Bürgermeister verweist auf "katastrophalen Service" und Verzug bei Zahlungen. Die Pächterin selbst wittert eine persönliche Fehde gegen ihre Familie.

Von Markus Füxl. Erstellt am 18. Juni 2021 (17:04)
Kulinarik Gasthaus Restaurant Symbolbild
Bilderbox.at, Bilderbox.at

Für hitzige Diskussionen sorgte ein Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung in Pölla: Die Gemeinde kündigte den Pachtvertrag mit der Familie Weissmann, nachdem sie mit den Zahlungen für das gepachtete Café Puls in Franzen in Verzug geraten war, die NÖN hat berichtet. Grund für die Kündigung des Vertrags sind laut ÖVP-Bürgermeister Günther Kröpfl aber nicht (nur) verspätete Zahlungen, sondern auch die Qualität des Betriebs. Franz Wögenstein, Geschäftsführender Gemeinderat der Bürgerliste für Pölla und Freiheitliche sah das anders, es kam zu mehreren Wortgefechten.

Schlechte Bedienung und fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung hätten das Fass zum Überlaufen gebracht, erklärte Bürgermeister Kröpfl: „Es war für die Familie bisher nicht möglich, das Essen 50 Meter weit ins Jugendgästehaus zu tragen.“ Der Großteil der Gemeinderäte und der Bevölkerung würden den Service als „eine Katastrophe“ bezeichnen. Darüber hinaus sollen die Weissmanns bereits Kinder vom Jugendgästehaus beschimpft haben, es soll sogar zu einem Polizeieinsatz gekommen sein, erklärte ÖVP-Vizebürgermeisterin Sandra Warnung. „Wir wollen ein Wirtshaus, wo die eigenen Leute gerne zusammenkommen. Aktuell ist das einfach keine Qualität“, sagte Kröpfl.

Streit um gute Bewertungen

Der Geschäftsführende Gemeinderat Franz Wögenstein sagt zur Kündigung: „Es ist nicht richtig, dass man die Familie rausschmeißen will. Das ist unsozial.“ Wögenstein führte aus, dass die Weissmanns durchaus bemüht waren. So habe das Wirtepaar kurzzeitig einen Weinschrank aufgestellt und Mehlspeisen angeboten – beides sei von der Bevölkerung nicht angenommen worden: „Mehrere Damen sind dann einfach mit eigenen Mehlspeisen im Gepäck ins Gasthaus gekommen.“ Auch Onlinebewertungen sprächen eine andere Sprache, als von der ÖVP behauptet: „Die schlechteste Note dort ist ein Zweier. Die Leute müssen also mit dem Essen zufrieden gewesen sein.“ Bürgermeister Kröpfl konterte: „Die Gemeinde hat immer wieder selbst Frühstücke und Lunchpakete zusammenstellen müssen. Das sind auch unsere Bewertungen!“

Mittlerweile haben die Weissmanns die ausständigen Betriebskosten und Mieten bezahlt. Die Gemeinde hätte während der coronabedingten Betriebsschließungen von acht Monaten aber keine Pacht einheben dürfen, erklärte Wögenstein, der sich auf zwei entsprechende Rechtsgutachten der Wirtschaftskammer berief. Bürgermeister Kröpfl erklärte: „Wir waren sehr oft nachsichtig und haben gestundet.“ Außerdem habe die Familie selbst zwei Kündigungen in den Raum gestellt, zuletzt schriftlich am 31. März. „Na sollen wir sie dann behalten?“, fragte Kröpfl.

Klärende Gespräche im Vorfeld verliefen im Sand, vielmehr sei es am Gemeindeamt mehrmals zu lautstarken Auseinandersetzungen und knallenden Türen gekommen. „Ich habe die Weissmanns gefragt, wie sie sich den Betrieb weiter vorstellen. Als Antwort kam: ‚Wie vorher‘. Das ist mir aber zu wenig, ich will eine Weiterentwicklung“, erklärte der Bürgermeister.

Wirtin: "Das ist erstunken und erlogen!"

Offiziell gepachtet hat das Gasthaus Renate Weissmann. Zum Vorwurf, Essen und Service seien nicht in Ordnung, sagt sie auf NÖN-Nachfrage: „Das ist erstunken und erlogen. Wir haben so viele Stammgäste, die mit uns zufrieden sind. Der Bürgermeister will uns einfach draußen haben.“ Zum erwähnten Polizeieinsatz gäbe es eine Vorgeschichte: „Mehrere Jugendliche haben Wirbel gemacht und in Facebook geschrieben, dass wir nicht kochen können. Sie hatten bei uns aber überhaupt nichts gegessen.“ Ihr Mann sei dann zu ihnen gegangen und habe sie zur Rede gestellt.

Die Kündigung des Pachtvertrages wurde mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung der Bürgerliste für Pölla und Freiheitliche beschlossen. Eine Arbeitsgruppe soll jetzt ein touristisches Konzept erstellen.