Tourismus- und Gastrobetriebe leiden unter der Krise. Einbußen für Wirte und Betriebe, aber auch Chance für Regionales.

Von Markus Füxl, Karin Pollak, Thomas Weikertschläger und Markus Lohninger. Erstellt am 29. März 2020 (14:18)
Der Zwettler Dreifaltigkeitsplatz: Wo sich sonst auch Touristen in Gastgärten des Gasthauses „Zur Goldenen Rose“ oder des Kaffeehauses „Hausleitner“ tummeln, herrscht Leere.
M. Füxl

Gerade die Tourismus- und Gastrobetriebe leiden unter der Krise, weiß Waldviertel Tourismus-Geschäftsführer Andreas Schwarzinger: „Die Situation gestaltet sich schwierig. Die gesetzlich verordneten Schließungen führen dazu, dass das touristische Aufkommen völlig zum Erliegen kommt.“

„Brauchen kein Hendl aus Chile“

Sein Team berät die Betriebe von zuhause aus, lediglich eine Kollegin ist im Büro in Zwettl. „Aktuell werden wir nicht auf Kurzarbeit umstellen. Der Arbeitsalltag ist aktuell intensiver und herausfordernder als sonst bereits – es gibt aufgrund der aktuell schwierigen Situation viel zu Koordinieren und zu Steuern, viele Fragen sind zu klären und neue Prozesse einzutakten“, sagt Schwarzinger.

„Maßnahmen richtig“

Das Maßnahmepaket der Bundesregierung hält er für ein „wichtiges Zeichen, es decke viele aktuell relevante Problembereiche gut ab. „Innerhalb des Tourismusnetzwerks in Niederösterreich sind wir gut abgestimmt. Hier versuchen wir, unsere Betriebe tatkräftig zu unterstützen und für ihre Anliegen zur Verfügung zu stehen“, sagt Schwarzinger. Im Waldviertel würden betroffene Tourismusbetriebe versuchen, „das Beste aus der Situation zu machen.“

Aufmunternd seien viele Meldungen von Gästen, die ihre Sehnsucht nach Natur, sanftem Tourismus, Ruhe, Gesundheit, Regionalität und Nachhaltigkeit mitteilen, sagt Schwarzinger.

Aufenthalte vielfach verschoben

Die Zielsetzung, das Waldviertel in Richtung Ganzjahresdestination weiterzuentwickeln ist von der Situation unbeeinflusst: „Natürlich wird die äußerst positive Entwicklung des Spätwinters/Frühjahrs aktuell etwas eingebremst. Uns stimmt aber positiv, dass viele gebuchte Aufenthalte nicht abgesagt werden, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.“

Krisenstimmung unter Wirten.

„Ich bin froh, dass ich gesund bin. Alles andere ist eine Katastrophe“, bringt Zwettls Wirtevertrauensperson Helene Mayerhofer die Tristesse im Lager der Gastronomen auf den Punkt.

Auch deren Gmünder Bezirkssprecherin Doris Schreiber bezeichnet die Stimmung unter den Wirten als „nicht gut, psychisch und auch finanziell“. Bei den Wirten sei die vorgeschlagene Kurzarbeit für Angestellte nicht machbar: „Wenn du null Einkommen hast, kannst du nicht einmal zehn Prozent vom Lohn zahlen“, betont sie.

Daher haben viele Wirte ihre Mitarbeiter rasch beim AMS angemeldet – zumindest zeichne sich ein Ersatz für entgangene Trinkgelder ab, sagt Gmünds AK-Leiter Michael Preissl.

Die Krise könne, so Schreiber, gemeinsam überstanden werden: „Ich bin voll zuversichtlich, dass heuer der 1. Mai ein ganz besonderer Staatsfeiertag werden wird, weil wir wieder voll durchstarten können.“

Mehr regionaler Konsum nach Krise?

Positiv sieht Horns Wirtesprecherin Sandra Buchinger das Maßnahmenpaket der Regierung: „Das vereinfacht die Situation massiv“, sagt sie. Durch dieses „richtige und wichtige Paket“ müsse kein Gastronom um seine Existenz bangen. Zudem erhofft sie sich, dass die Krise zu einem Umdenken hin zu mehr regionalem Konsum führen wird. „Wir brauchen nicht das Hendl aus Chile. Wir sollen jenes aus Österreich kaufen, auch wenn es ein bisserl teurer ist.“

Einzelne Betriebe retten sich mittels Lieferservice zumindest einigermaßen durch die Krise.