Gemeinden sagen Klimawandel den Kampf an. Waldviertler Hochland will in den nächsten zwei Jahren Maßnahmen gegen den Klimawandel umsetzen. Bei einer Auftaktveranstaltung warnten Experten: "Haben bald Klima wie in Spanien."

Von Markus Füxl. Erstellt am 04. August 2020 (09:10)
Diskutierten zum Thema Klima in Rappottenstein: Werner Löffler, Paul Schachenhofer, Maximilian Igelsböck, Tino Blondiau und Roswitha Haghofer.
Markus Füxl

Die Gemeinden Altmelon, Arbesbach, Groß Gerungs, Langschlag und Rappottenstein wollen als Kleinregion Waldviertler Hochland Maßnahmen gegen den Klimawandel umsetzen. In einer Auftaktveranstaltung der Klimawandel-Anpassungs-Modellregion (Klar!) in Rappottenstein wurden diese am 30. Juli präsentiert.
„Die Gemeinden haben sich bereits vor Jahren zusammengeschlossen, weil klar ist, dass wir diese Themen nur im Zusammenschluss bewältigen können“, erklärte Obmann des Vereins Waldviertler Hochland, Maximilian Igelsböck. Hilfe bekam man von Paul Schachenhofer, der die Regionalentwicklungsplattform NÖ.Regional präsentierte.

Neue Homepage in den Startlöchern

Klar!-Managerin Roswitha Haghofer erklärte die Ziele aus dem 50 Seiten starken Klima-Konzept. So sollen etwa neue Parkplätze klimawandelangepasst errichtet, Niederschlag-Rückhaltemaßnahmen getroffen und Beratungen zum Thema Waldpflege angeboten werden. Noch im August soll außerdem eine neue Homepage des Waldviertler Hochlandes online gehen. Dort wird es unter anderem eine Direktvermarkter-Liste geben, bei der man gezielt nach Schlagworten wie „Brot“ oder „Milch“ alle Anbieter gelistet finden kann.

"Bald Klima wie in Spanien"

Tino Blondiau von der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ erklärte in einem Vortrag, welche Folgen der Klimawandel für Niederösterreich hat: „Wetterphänomene werden extremer und länger bleiben. So werden wir im Sommer wochenlang ohne Regen auskommen müssen, oder es regnet so viel, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen und speichern kann.“
Er erwähnte auch das Zwei-Grad-Ziel, bei dem die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt werden soll. Würde nämlich weiter „wie bisher“ verfahren, hieße das Temperaturen in Niederösterreich wie in Spanien – und das in nur wenigen Jahrzehnten. Klimaschäden von acht Milliarden Euro seien die Folge: „Das ist ein Tausender für jeden von uns“, sagte Blondiau.

Wie soll gehandelt werden? „Fahrgemeinschaften gründen, auf erneuerbare Energien umstellen und Begrünen“, erklärte der Experte. So könne etwa jeder im Garten einen Streifen Wiese stehen lassen, um Bienen und anderen Nützlingen Lebensraum zu schaffen.

Kurze Verschnaufpause vor dem Borkenkäfer

Ein tristes Bild zeichnete Forstdirektor Werner Löffler von der Landeslandwirtschaftskammer Niederösterreich: „Es ist fünf nach zwölf. Wir müssten in der Sekunde unseren Lebensstil ändern.“ Gleichzeitig gäbe es genug Wald in Niederösterreich, aktuell 790.000 Hektar – Tendenz steigend: „Das Holz wächst uns bei Fenster und Tür herein“, sagte Löffler.

Problematisch werde es, wenn die Temperaturgrenzen nach oben klettern und damit auch die Fichte Klimastress bekommt. Dann kann sie sich auch nicht mehr gut vor dem Borkenkäfer schützen. Zum Schädling meinte Löffler: „Wir haben heuer eine kurze Verschnaufspause und dürften halbwegs gut mit dem Borkenkäfer zurechtkommen. Das Thema wird uns aber noch jahrzehntelang begleiten.“ Löfflers Prognose: Nadelholz wird weniger, Laubholz mehr werden. Eine Umstellung der Baumarten habe aber auch Folgen für wirtschaftliche Strukturen zur Folge. So sei unsere Sägeindustrie aktuell zu 95 Prozent auf Nadelholz ausgelegt.

Was können Forstwirte tun? „Strukturierte Wälder anstreben, durchforsten und Schäden bei der Holzernte verhindern. Wir müssen überall, wo wir einen Hebel finden, ansetzen“, meinte der Forstdirektor.

Langschlags Bürgermeister Andreas Maringer gab abschließend einen Überblick über den Lehrgang Waldpädagogik, der von Oktober bis April 2021 stattfinden soll. „Mein Wunsch ist es, in jeder Gemeinde vier bis fünf Leute für den Lehrgang zu haben“, erklärte Maringer.