Zwettler Grüne-Stadtrat Ewald Gärber tritt zurück. Eine Änderung im Zwettler Gemeinderat zeichnet sich für Herbst ab: Grüne-Stadtrat Ewald Gärber legt mit 15. September sämtliche politischen Funktionen zurück – nicht ohne Kritik an der Stadtregierungspartei ÖVP zu üben. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, soll aber spätestens Anfang September verkündet werden.

Von Markus Füxl. Erstellt am 21. Juli 2021 (14:25)
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Grüne-Stadtrat Ewald Gärber legt mit 15. September sämtliche politischen Funktionen zurück. Mit im Bild: Bezirkssprecher Andreas Piringer, Fraktionsobfrau Silvia Moser und Gemeinderat Günter Widhalm.
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Als Grund für seinen Rücktritt gibt der 55-Jährige im Rahmen einer Pressekonferenz am 21. Juli einen beruflichen Wechsel an: Ab September wird er in der Umweltberatung Wien tätig sein. Wer Gärber in den Gemeinderat nachfolgt, steht noch nicht fest, betont Fraktionsobfrau Silvia Moser: „Wir werden das über den Sommer erarbeiten. Noch ist alles offen.“ Auch wer Gärbers Funktion als Stellvertreter von Fraktionsobfrau Silvia Moser sowie das Stadtratsmandat übernehmen wird, sei noch nicht geklärt. Eine Entscheidung soll Anfang September verkündet werden.

Erste politische Schritte nahm Gärber ab 1997 beim Bürgerforum Zwettl. Seit 2007 sitzt er für die Grünen im Gemeinderat, seit 2010 als Stadtrat. Bis 2019 hatte er dabei das Ressort Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung inne. Als Höhepunkte aus dieser Zeit zählt Gärber etwa die Erneuerung des Blockheizkraftwerks, die Errichtung der ersten großen, gemeindeeigenen Photovoltaikanlage auf dem Areal der Kläranlage sowie Sanierungen und Neuerrichtungen von Kläranlagen, Hochbehältern und Abwasserkanäle im Gemeindegebiet.

Kritik an ÖVP: "Finde ich unfair"

Nachdem die Grünen bei der Gemeinderatswahl Anfang 2020 ein Mandat verloren hatten, wechselte das Ressort in die Hände von ÖVP-Stadtrat Erich Stern. Gärber selbst betreut seit Februar 2020 den Bereich Umweltförderungen, Friedhöfe und WC-Anlagen: Ein Ressort, mit dem er nicht voll zufrieden war: „Es ist kein Traumressort, es gibt Spannenderes.“

Hinter der politischen Bühne gab es dabei immer wieder Spannungen: So sei Gärber mit Vorhaben aufgrund fehlender Budgetierung angestanden, etwa für geplante Renovierungen bei den Friedhöfen in Rieggers, Oberstrahlbach und Syrnau. „In Zwettl passiert viel Gutes, aber ich habe oft das Gefühl, dass man drei Schritte nach vorne geht und ein paar Jahre später wieder zwei zurück“, sagt Gärber. So sei ihm 2021 von der ÖVP kein Budget für Umweltförderungen zur Verfügung gestellt. Gärber kritisiert auch fehlende Zusammenarbeit: „Dass unsere Ideen abgelehnt werden und ein Jahr später als ÖVP-Antrag auftauchen, finde ich unfair.“

ÖVP kontert: "Ist Corona geschuldet"

ÖVP-Stadtrat Erich Stern weist die Kritik auf NÖN-Nachfrage zurück: „Wir sind um Zusammenarbeit bemüht und konnten gemeinsam einige Projekte realisieren. Ich wüsste nicht, welche seiner Ideen wir als ÖVP verkauft hätten.“
Dass Projekte nicht realisiert, beziehungsweise verschoben werden mussten, sei der anhaltenden Coronasituation geschuldet, erklärt Stern. So sollen die geplante Zufahrt und der neue Parkplatz beim Friedhof Rieggers 2022/23 realisiert werden: „Wir mussten wegen Corona einfach vorsichtiger budgetieren und agieren.“ Ähnlich verhalte es sich bei den Umweltsubventionen, die Ende des Jahres neu beschlossen werden sollen.

Lob für Ewald Gärbers Arbeit kommt von Obfrau Silvia Moser: „Ewald war wie ein Fels in der Brandung. Er ist ein erfahrenes, verlässliches und kompetentes Teammitglied. Für uns ist der Abschied natürlich schmerzhaft.“ Auch Grüne-Bezirkssprecher Andreas Piringer lobt Gärbers fundierte Tätigkeit: „Seine Konsequenz hebt ihn hervor.“